In die Wüste geschickt

Oswald Lübeck, aus: Weltreisen, 1911/1913. Koloriertes Diapositiv. Quelle: Deutsche Fotothek

Kein Dresdner Opernball 2023? Bei vielen Menschen wird es jetzt lange Gesichter geben. Die einen, weil sie gern ihre Perlen und Pelze ausgetragen hätten, was sie wegen der blöden Pandemie ja nun schon seit zwei Jahren nicht mehr durften. Und die anderen, weil sie sich bestimmt gern an den roten Teppich vor der Semperoper geklebt hätten, um auf die Umtriebe des sogenannten Impresarios Hans-Joachim Frey aufmerksam zu machen. Ach ja, auch das umstehende Volk der freiwillige Claqueure wird wieder traurig sein: Keine Stars und Sternchen zu begaffen.

Sollten Diederich Heßlings Zeiten endlich vorbei sein? Mitnichten. Lediglich die Dresdner Opernball-Ära des einstigen Semperoper-Direktors und gescheiterten Bremer Intendanten ist nun endgültig Geschichte. Hans-Joachim Frey hat den Vorstand des den Ball ausrichtenden Vereins verlassen. Untragbar sei er für dieses Gremium geworden, hieß es schon kurz nach Putins Überfall der Ukraine. Nun dürften viele Ballfans aufgeatmet haben.

Zugleich informierte der Verein darüber, dass es auch 2023 keinen Opernball in der Semperoper geben wird. Nach der Pandemie trägt nun Putin die Pest-Rolle. Der KGB-Spitzel und Möchtegern-Zar hatte einst den nichtswürdigen St.-Georgs-Orden aus den devoten Händen des Ball-Machers entgegennehmen dürfen. Selten konnte der Niedersachsens Provinz entstammenden Frey sich derart neben international bekannten Persönlichkeiten sonnen wie bei diesen Festen. Schließlich endeten zuvor auch seine eigenen künstlerischen Laufbahnen an der sprichwörtlichen Wand. Selbstbewusste Versuche, sich als Regisseur einen Namen zu machen, wurden überwiegend belächelt. Als sich in Netzwerken verstrickendes Stehaufmännchen scheint Frey freilich über bedeutendere Qualitäten zu verfügen. Nach und neben Dresden agierte er unter anderem an den Theatern von Sotschi, Ulan-Ude und Wladiwostok.

Vom Ballgehabe jedoch wollte er auch nach selbstverschuldeten Blamagen wie der Aberkennung von an den ägyptischen Machthaber Abd al-Fattah as-Sisi sowie den Moskauer Kriegsherrn Wladimir Putin verliehener Georgs-Orden nicht lassen. Mitte November fand der von Frey ausgerichtete »Dresdner Opernball« [sic!] in Dubai statt. Zwischenzeitlich hat sich der Putin-Freund und offensichtliche Russland-Versteher mit der russischen Staatsbürgerschaft ausstatten lassen. Der arabische Dresden-Ball musste an der Elbe schulterzuckend hingenommen werden, da diese Wortkombination nicht – wie etwa das hiesige Stollengebäck – als Marke geschützt ist. Dass dieses laut Eigenwerbung »Fest der Sinne« von einer russischen Entertainerin moderiert worden ist und als Star des Abends der durch Me-too-Vorwürfe belastete Ex-Tenor Plácido Domingo mit einem Stück Meissner Porzellan dekoriert wurde, mag dennoch befremdlich gewirkt haben.

Zeitgleich zum Befreiungsschlag des aufgrund der Querelen angeschlagenen Dresdner Ballvereins gab dieser bekannt, dass der freiberufliche Medienberater und einstige MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi nun den Vorstand anführen soll. Sein Stellvertreter ist mit Tillmann Blaschke just der Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, von wo die Skulptur jüngst nach Dubai geliefert worden sein dürfte. Als weitere Mitglieder des Vereinsvorstands wurden ein Hoteldirektor sowie ein Rechtsanwalt gewählt.

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