Corona beherrscht die Spielpläne

Kolumnen

Corona beherrscht die Spielpläne

Es gibt auch gute Nachrichten in diesen schwierigen Zeiten. Auch wenn es heute Absagen über Absagen gehagelt hat. Mindestens eine ist darunter gewesen, der man nur Beifall zollen kann. Eine weitere steht freilich noch aus. Aber dazu später.

Nachdem nun endlich auch der sogenannte Freistaat Sachsen einsehen musste, dass sich ein Virus namens Corona einen Dreck um Deutschlands Kleinstaaterei schert, hat das Sozialministerium einen Erlass herausgegeben, wonach vom 12. März an Veranstaltungen mit mehr als eintausend Besuchern abgesagt werden können. Damit soll die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamt werden.

Ein guter Schritt. Ein wichtiger Schritt. Aber auch ein richtiger Schritt? Wie sieht es bei Veranstaltungen mit 999 Besuchern aus, wird da die Ausbreitung wirklich verlangsamt? Und wie erst beispielsweise bei zwölf Gästen – tritt Corona da in den Bummelstreik?

Es ist nicht die Zeit, dumme Witze zu machen. Über die vermeintliche Immunität von Politikerinnen und Politikern lacht schon längst niemand mehr. Und die aberwitzigen Hamsterkäufe von Toilettenpapier et cetera sind allenfalls Ausdruck eines gesellschaftlichen Gesamtzustands.

Nachdem nun Semperoper und Kulturpalast, Musikhochschule und Kreuzgymnasium, ja sogar wesentlich kleinere Gastspiele und Lesungen geschlossen sind beziehungsweise ausfallen werden – zumeist „auf unbestimmte Zeit“ – sollten wir uns Gedanken machen, wie die durch den Wegfall öffentlicher Veranstaltungen gewonnene Frei-Zeit sinnvoll genutzt werden kann. Keine Konzerte von Staatskapelle und Philharmonie, nicht mal mehr das Palastkonzert der Musikfestspiele mit Renée Fleming und Jewgenij Kissin; selbst die Osterfestspiele Salzburg werden wegfallen (dabei hatte man sich doch schon so sehr auf die nächste Runde im nicht nur orthografischen Schlagabtausch des Zukunftsintendanten Nikolaus „Ein Mann Ihren Alters“ Bachler gefreut!) – allerorts wird sich Tristesse breitmachen.

Aber das muss ja nicht sein! Bevorraten wir uns mit guten Büchern, auch wenn die Leipziger Buchmesse gestrichen ist, horten wir anspruchsvolle CDs und hamstern statt ein-, zwei-, drei- oder mehrlagigen Papierrollen doch lieber vielsagende Kultur. Die gibt es gebunden als Buch, gespeichert auf elektronischen Datenträgern, virtuell im Netz und nicht zuletzt ganz real in Radio- und Fernsehprogrammen. Ganz und gar virenfrei übrigens. Hören wir wieder beispielsweise wieder einmal die Berliner Philharmoniker unter Rattle: kostenlos, in der Digital Concert Hall.

Hausmusik wäre übrigens auch eine Empfehlung. Die gibt nicht nur Kraft, sondern spendet schlimmstenfalls auch den nötigen Trost. Und wenn sich die ganze Corona-Hysterie, -Epidemie und -Pandemie wieder gelegt hat, machen wir Hofmusik, Garten- und Straßenmusik, vielleicht wird ja ein großartiges Platzkonzert draus – dann kann das Leben gesund und kulturvoll hoffentlich weitergehen.

Also vorsichtig sein und nach vorn blicken. So ist auch die beste Nachricht des heutigen Tages zu lesen: Bei der Bundeswehr gibt es angeblich eine Personalmisere. Die Zahl der Studienabbrecher an den militärischen Universitäten steigt ebenso wie die der ihren „Dienst“ gar nicht erst antretenden Soldatinnen und Soldaten. Das dürften ja wohl vor allem Vernunftgründe sein, die unbedingt Schule machen sollten! Und lernen müsste davon auch ganz rasch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der das im März und April für ein osteuropäisches (!) Mega-Manöver durch Sachsen rollende U.S.-Militär noch immer befürwortet, für gut heißt und gegen die – hoffentlich wirkungsvoll einsetzenden – Proteste verteidigt. Vielleicht sollte man diese durch und durch kulturlose Aktion, veranstaltet von einem sich selbstentlarvend als „U.S. Army Europe“ bezeichnenden Kriegsstab, schlicht und einfach mit dem Hinweis verbieten, dass diese provozierende Gewaltdemonstration der „Sicherheit Europas“ nicht nur nicht dient, sondern ihr und dem Weltfrieden nur schadet. Auch durch die mit den Tausenden Kalten Kriegern dynamisch anrollenden Viren! Da wäre ein wenig Kleinstaaterei doch durchaus wieder wünschenswert: Sachsen sollte sich den Kämpen verschließen!

13.03.2020Kolumnen