Er ist weg, und ich bin wieder allein.

Die Lindenoper kurz vor der »Alpensinfonie« im Mai 2023… (Foto: Martin Morgenstern)

Polyamorie, das ist jene seltene Form des Zusammenlebens, „bei der eine Person mehrere Partner liebt […]. Polyamore Beziehungen gründen auf der Absicht, die gewünschten Beziehungen langfristig und vertrauensvoll miteinander zu gestalten.“

Wir sind wieder einmal verlassen worden. Unser letzter gemeinsamer Abend ist keine Woche her, da zeigt sich unser Ex in Berlin lächelnd mit seiner neuen Partnerin, der Staatskapelle Berlin. Das Orchester spricht davon, dass „die Chemie sofort fantastisch“ gewesen sei, der Dirigent bezeichnet sein erstes Mal mit dem neuen Klang-Körper (!) als „magischen Moment“. Heul! Schluchz!

Natürlich, das Ende unserer Beziehung kam mit Ansage, wir haben unseren offiziellen Bund nicht verlängert. Und klar, man muss das Ganze realistisch sehen. Auch wir waren ja nicht die ersten. Vor uns hatte er schon in München und Nürnberg längere Beziehungen, auch schon in Berlin, vor zwanzig Jahren, damals mit einer anderen. Aber einzigartig ist es doch jedes Mal am Anfang, man denkt, das hält jetzt ewig, man lächelt sich viel an, streut Blumen, das ganze Alltag erscheint rosarot. Und alle sagten damals: das ist die Traumehe. Darauf haben wir immer gewartet. Besser wirds nicht mehr.

Was haben wir nicht alles miteinander erlebt. „Angekommen“, seufzte er, wir glaubten an die große Liebe, lebten die gemeinsamen Abende zuhause leidenschaftlich aus, gingen aber auch oft auf Reisen, die erste große Tour nach Asien zum Beispiel war unvergesslich. Da waren die späteren, schwierigen Zeiten noch ganz weit weg.

Etwa zwölf Jahre haben wir es insgesamt miteinander ausgehalten; das ist nicht ganz so lang, wie Ehen heute in Deutschland durchschnittlich halten. Und sicher, nach und nach sieht man auch die Schwächen des Partners, wenn man so eng miteinander ist, so viel teilt. Auch, wenn er niemals bei uns eingezogen ist, immer die Wohnung in Potsdam behalten hat. Vielleicht war das gut für die Beziehung, andererseits: wir hätten uns schon auch mehr Bekenntnis und Bindung gewünscht. Ließ er sich doch auch regelmäßig ohne uns feiern, in Wien, Bayreuth und, ja, auch in Berlin. Letztes Jahr ließ er sogar eine Reise mit uns platzen und fuhr stattdessen mit der Neuen weg. Nach Asien. Ein Skandal eigentlich. Wir haben geschwiegen und unseren Kummer runtergeschluckt.

Und nun wird er am Wochenende groß in der WELT sein, eine Riesenstory, es werden alte Geschichten rausgekramt. Und dabei auch Namen aus Dresden genannt. „Bestimmte Situationen werde ich nie vergessen“, sagte er mal, bitter klang das. Nun wird es wieder einen Aufschrei geben. Lustig ist das alles nicht mehr.