Ernst-von-Schuch-Dirigentenpreis 2015 an Dominik Beykirch verliehen

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Ernst-von-Schuch-Dirigentenpreis 2015 an Dominik Beykirch verliehen

Dominik Beykirch ist jüngster Preisträger des jungen ‚Ernst-von Schuch‘ -Dirigentenpreises 2015. Im vergangenen Jahr hatte die Familienstiftung mit Namen des großen Dirigenten Ernst Edler von Schuch erstmals einen mit 2000 Euro dotierten Förderpreis an einen jungen Nachwuchs-Orchesterdirigenten vergeben. Für 2014 war er an Vladimir Yaskorski, der in Dresden mit Dirigaten und Assistenz an der Staatsoperette hervortrat, gegangen.

Schuch Dirigentenpreis-4_bearbeitet-1Preisträger Dominik Beykirch im Kreis der Gratulanten im Stadtmuseum.

Spätestens mit der Uraufführung des »Rosenkavaliers« am 26. Januar 1911 an der Hofoper hatte sich Dresden den verklärenden Ruf „Opernmetropole“ zu Recht erworben, es war international an der Weltspitze der Opernbühnen angekommen. “’Strauss! Hofmannsthal! Schuch!‘ ruft das Publikum! “ – der Erfolg der Spieloper von Richard Strauss war grandios. Selbst aus der Hauptstadt Berlin reisten Hunderte Besucher mit Sonderzügen der Reichsbahn zu diesem kulturellen Großereignis an – und in der Nacht gleichen Tages zurück.

Gebührenden Anteil am Erfolg hatte der Dirigent der Rosenkavalier-Premiere, Generalmusikdirektor Geheimer Rat Ernst Edler von Schuch (1846-1914). Der in Graz geborene und aufgewachsene fand als 25-jähriger seine erste Anstellung in Dresden als Musikdirektor an der Hofoper. Die Karriere über den Posten Erster Hofkapellmeister mündete 1889 in der Ernennung zum Generalmusikdirektor der Königlich Dresdner Hofoper. Ernst von Schuch begründete in seinen 42 Jahren mit der Dresdner Oper eine Ära, die zu den bedeutendsten gehört in der Riege der vorgegangenen mit Johann Adolph Hasse, Carl Maria von Weber und Richard Wagner an der geschichtsreichen Dresdner Oper des damaligen Hofes. Schuch arbeitete mit den berühmtesten Komponisten zusammen, dirigierte ihre Werke und brachte sie erstmals auf die Bühne – die Liste seiner Ur- und Erstaufführungen umfasst 123 Operntitel. Mit stetem Interesse an Novitäten etablierte Schuch erfolgreich neue Musik an der Hofoper. Als Dirigent der Dresdner Kapell-Konzerte führte Schuch bis dahin unbekannte Werke zeitgenössischer Komponisten und besonders Orchesterwerke von Gustav Mahler und Richard Strauss auf. Dieser wurde ihm zu einem engen Vertrauten, zugeneigt, wenn auch spannungsvoll in der Zusammenarbeit. Bis Ernst von Schuch am 10. Mai 1914 starb, den heraufkommenden Weltensturz bekam er nicht mehr mit.

Familie SchuchErnst von Schuch mit seinen Kindern Hans, Käte, Liesel

Richard Straussens Tondichtung »Eine Alpensinfonie«, vom Komponisten „… der Königlichen Kapelle zu Dresden in Dankbarkeit gewidmet“ und dem Freund Schuch zugeeignet, wurde nicht vor dessen Tod fertig. Dann aber wurde sie am 28. Oktober 2015 in Berlin unter der Stabführung von Richard Strauss uraufgeführt.

Musikalische Gene – Schuchs Frau wurde die an der Oper gefeierte Kammersängerin Clementine Prohaska (1850-1932), eine Wienerin – wirkten fort im aktiven Musikerleben der Kinder und Kindeskinder. Die jüngste Tochter Liesel von Schuch-Ganzel, die noch zu Lebzeiten des Vaters 1914 ihre Karriere als Koloratur-Sopranistin an der Hofoper begann, war eine mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt gewürdigte Persönlichkeit, stadtbekannt als ‚Alte Dame von Strehlen‘, wo sie hochbetagt 1990 starb. Die Enkelin Clementine von Schuch war in den Nachkriegsjahren an der Dresdner Oper, später unter Intendant Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin als Mezzo-Sopranistin engagiert.

Ausgelöst durch die Notwendigkeit, einen Vorlass an Erinnerungsstücken, Dokumenten und Familienandenken zu bewahren, erwuchs in der Generation der drei Enkelinnen und heute in Dresden lebender Urenkel Schuchs das Konzept zu einer Familienstiftung. Im Oktober 2011 konnte die Stiftung ‚Ernst Edler von Schuch‘ gegründet werden, die als eine ‚unselbständige‘ bei der Stadt Dresden angedockt ist und die Teile des Nachlasses als Sammlung dem Stadtmuseum Dresden anvertraute, um sie  dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Schuchs Urenkelin Martina Damm, die über ihren Urgroßvater forscht, schreibt und Veranstaltungen abhält und die Sprecherin der Familienstiftung ist, nennt deren Ziele „ Bewahrung der Erinnerung an den Generalmusikdirektor der sächsisch königlichen Hofoper Ernst von Schuch und Förderung des Dirigentennachwuchses.“

Schon im vergangenen Jahr gelang dies anlässlich des 100-ten Todestages mit »Die Schuchs – eine Künstlerfamilie in Dresden«, einer Ausstellung  im Stadtmuseum Dresden, welche erstmals die ganze Familie von Schuch in den Fokus des Dresdner Musiklebens stellte. Die mit Leihgaben ergänzte Präsentation und Begleitveranstaltungen zogen vom Mai bis September 2014 über 5.000 musikgeschichtlich interessierte Besucher an  Publikum an. Im kommenden Jahr 2016 soll in Zusammenarbeit mit den Richard-Wagner-Stätten eine Kabinettausstellung »Schuch und Wagner« im Jagdschloss Graupa folgen.

Eine Zustiftung von Brigitte Bela, einer der Enkelinnen Schuchs, ermöglicht auf weitere Weise in Erinnerung an Ernst von Schuch nachhaltig zu wirken. Der erstmals im Jahr 2014 vergebene Dirigentenförderpreis zeichnet junge Nachwuchsdirigenten speziell im Opernbereich aus. Deren Auswahl erfolgt in Kooperation mit dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrates, Bonn. Die alljährliche Vergabe des mit 2.000 Euro dotierten  Preises ist durch die Anschubfinanzierung bis 2020 gesichert.

Für den Ernst-von-Schuch-Preis-2015 traf eine fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Peter Gülke gemeinsam mit Stiftungssprecherin Martina Damm die Auswahl unter sieben Kandidaten und Kandidatinnen. Dominik Beykirch wurde erkoren. Der gebürtige Thüringer, Jahrgang 1990, begann schon als 15-jähriger Jungstudent an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar mit dem Studium der Fächer Dirigieren und Opernrepetition. Orchestererfahrung erwarb er mit Assistenzen und Dirigaten bei verschiedenen Orchestern in Deutschland, Tschechien und der Schweiz, in Dresden als Assistent von Michael Sanderling bei der Dresdner Philharmonie wie auch an der Staatsoperette Dresden. Für die kommende Spielzeit 2015/16 ist der 24-Jährige nach Weimar als Zweiter Kapellmeister an das Deutsche Nationaltheater verpflichtet. In der Künstlerliste des Deutschen Musikrates wird Dominik Beykirch als „Maestro von Morgen“ geführt.

Es war bemerkenswert, dass eine Ur-Ur-Enkelin, Eva Damm, die Preisurkunde des Ernst-von-Schuch Dirigentenpreises 2015 übergeben konnte, bei einer feierlichen, prominent besuchten Preisverleihung jüngst im Festsaal des Dresdner Stadtmuseums. Laudator Wolfgang Hentrich, 1. Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, der im Orchester dem Dirigenten am nächsten sitzt, gab Dominik Beykirch als Urteil aus dem Orchesterkreis mit auf den Weg: „… ein technisch  versierter junger Dirigent, der beeindruckt, wie er musikalisch eine klare künstlerische Konzeption stringent verfolgt und dabei einen sehr angenehmen Umgang auf Augenhöhe mit den Musikerinnen und Musikern pflegt. Die Arbeit mit ihm war bereichernd und macht Lust auf mehr.“

Eine Umfassende Lebensdarstellung Ernst von Schuchs und seiner Familie findet sich in:
»Die Schuchs – eine Künstlerfamilie in Dresden« – Eva Damm u.A. , 128 Seiten bebildert, 17×23 cm, Sandsteinverlag 2014

In Erinnerung an die Uraufführung fast auf den Tag genau finden statt:
100 Jahre »Eine Alpensinfonie«, Sächsische Staatskapelle, Dirigent Christian Thielemann
Sonderkonzert 21.10.2015, 20 Uhr, Semperoper Dresden
Gastkonzert 27.10.2015, 20 Uhr, Philharmonie Berlin

Fotos: Stadtmuseum Dresden / PR

20.10.2015Allgemein, Features