Frei nach Wilhelm Busch: Musik wird oft nicht schön gefunden, wenn sie mit Bekehr verbunden. Ein Plädoyer für Musik von Menschen für Menschen – und nicht „im Auftrag des Herrn“.
Michael Ernst
„Geht ein Musiker an einer Kneipe vorbei.“ Nein, natürlich nicht. Und erst recht nicht bei der Sächsischen Staatskapelle. Musiker sind doch auch nur Menschen.
Geht es um Elsa, um Anna oder um was? Vier „Lohengrin“-Vorstellungen, die seit Monaten ausverkauft sind, aber was für ein Hype? Und vor allem warum?
Die Inszenierung um den teuflischen Pakt von Kriegern und Kirche geriet in den Hintergrund, hier galt es dem Fest der Musik: ein »Lohengrin« in Best-Besetzung! Die eigentliche Favoritin des Abends war übrigens nicht Anna Netrebko – aber lesen Sie selbst…
Die Musikfestspiele beleuchten nicht nur die Zeit, das diesjährige Thema, sondern zeigen auch Zeit-Bilder. Bilder vom Themenschwerpunkt mit Namen Israel.
Wir können sie uns nicht nehmen, nicht borgen, wir können sie auch nicht lassen: Die Zeit ist vergänglich, egal, was wir tun. Die Dresdner Musikfestspiele haben sie sich in diesem Jahr als Motto gesetzt.
In Sachsen wird wieder gewagnert, nicht nur im Wagner-Jahr. Nach den »Meistersingern« in Chemnitz und der »Walküre« in Dresden hat Leipzig demnächst endlich wieder einen »Ring«.
Sachsen, du hast es besser. Das Frühaufsteher-Land nebenan im Norden gibt sein Kultusministerium auf und schmückt sich kenianisch.
Wer Jan Böhmermanns Erdogan-Schmäh hört – ob mit erklärendem Meta-Vorspann oder ohne –, dem vergeht das Lachen. Erst recht bei den Reaktionen darauf. Das „Gedicht“ ist sichtlich so bar jeder Vernunft, dass sich ein Staatsoberhaupt normalerweise niemals damit beschäftigen würde. Nun müssen wir lernen: es geht noch absurder. Und mit einem Mal steht Dresden im Zentrum der Debatte.