
Die Stadt Dresden hat die Kunstpreisträger bekanntgegeben. Alle drei bereichern seit Jahren die Dresdner Musikszene(n).
Seit 1993 vergibt die Landeshauptstadt Dresden jährlich einen Kunstpreis sowie bis zu zwei Förderpreise an herausragende Künstler, Kulturakteure oder Initiativen. Aus der Sparte Musik bzw. Tanz sind große Namen unter den Preisträgern: der Kreuzorganist Michael-Christfried Winkler (1994), der Hornist Peter Damm (1998), der Pianist Peter Rösel (2009), Perkussiv-Legende Günter Baby Sommer (2011), Hans-Christoph Rademann (2014), Peter Schreier (2016), Katja Erfurth (2020), Sven Helbig (2022) und zuletzt die Sinfonietta Dresden.
In diesem Jahr wird – zwanzig Jahre, nachdem die Fotografin Evelyn Richter ausgezeichnet wurde – der mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis an den Dresdner Fotografen Matthias Creutziger verliehen. Das Musikduo ÄTNA mit Inéz und Demian Kappenstein sowie die Banda Comunale werden jeweils mit einem Förderpreis und dem Stipendium der Arras-Stiftung ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung unterstreicht die Landeshauptstadt Dresden ihr Engagement für die Kunst- und Kulturszene und fördert Akteurinnen und Akteure, die mit ihrer Arbeit künstlerische Impulse für die kulturelle Entwicklung der Stadt und überregional setzen.
Bis zum 31. Oktober des Vorjahres wurden insgesamt 70 Vorschläge eingereicht, berichtete Kulturamtsleiter Dr. David Klein gestern bei der Pressekonferenz der Stadt. Vorschlagsberechtigt sind jedes Jahr Bürgerinnen und Bürger wie auch Institutionen und Verbände. Die durch den Stadtrat berufene Jury, der momentan die ehemaligen Preisträger Marcel Beyer und Katja Erfurth, qua Amt Annekatrin Klepsch, aber auch Heiki Ikkola, Neustadt-Urgestein Ulla Wacker und der neu gewählte Musikhochschulrektor Lars Seniuk angehören, wählte daraus die drei Preisträgerinnen und Preisträger aus.

Das „i Tüpfelchen“ auf die lange und auch schon oft preisgekrönte Karriere von Matthias Creutziger setze nun die Landeshauptstadt, sagte die Kulturbürgermeisterin gestern im Gespräch – und verlas sogleich die Jurybegründung:
„Matthias Creutziger gilt als präziser Chronist der Dresdner Musikgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert. Seine Fotografien verwandeln Aufführungen und Konzerte in intensive Bildmomente, in denen sich Klang, Bewegung und Emotion verdichten. Seit seinen frühen Jahren als Jazz-Rezensent in der DDR beobachtete und dokumentierte er mit wachem Blick eine lebendige, oft widerständige Musikszene. Als langjähriger Fotograf von Semperoper und Sächsischer Staatskapelle Dresden prägte er das visuelle Gedächtnis zentraler Institutionen; zugleich war und ist er in Jazzclubs, auf Festivals sowie in Theatern und Museen präsent. Die Sicherung seiner Arbeiten durch die Deutsche Fotothek würdigt ein Werk, das musikalische Praxis als kulturelle Erfahrung sichtbar macht und als unverzichtbarer Bestandteil der Dresdner Erinnerungskultur fortwirkt.“
Der Geehrte wehrte gewohnt bescheiden ab: er sei ein Mensch der Bilder, „solche Preise bekommen eher Lichtgestalten, ich bin eher eine Dunkelkammerversion!“ Matthias Creutziger wies darauf hin, dass wir in Zeiten leben, da jede Sekunde 63.000 neue Fotos gemacht werden. Da sei es selten geworden, dass man – wie er – auf einen besonderen Moment warten könne. „Einen Moment, wo die Musik abhebt, der Mensch mit der Musik verschmilzt. Man muss diesen Moment zuerst hören, spüren, dann mit geschlossenen Augen fotografieren. Am Ende muss das Ergebnis für sich sprechen. Jeder, der ins Komzert geht, bringt ja seinen eigenen Bilderatlas mit. Dann muss jeder entscheiden, ob es für ihn etwas bedeutet oder nicht…“ Und, nachdenklich: „Diese Auszeichnung interpretiere ich deshalb auch als Statement für ein respektvolles Miteinander. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Welt der Kunst.“
Die feierliche Preisverleihung findet als geschlossene Veranstaltung am 1. Juni 2026 statt.

