Familienzusammenführung? HfM-Rektor wechselt nach Stuttgart

Axel Köhler, Foto (c) Lutz Edelhoff

Alle Zeichen deuteten bislang darauf hin, dass Axel Köhler eine zweite Periode als Rektor der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber anstreben würde. Seine bisherige Amtszeit ist schließlich durchweg erfolgreich verlaufen und sorgte sowohl nach innen als auch nach außen für ein positives Bild dieser Institution.

Doch nun stehen die Zeichen auf Abschied: Axel Köhler ist am heutigen Donnerstag zum Rektor der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HMDK) Stuttgart gewählt worden. Was wie eine nüchterne Personalie klingt, hat eine theaterreife Vorgeschichte, die nach geradezu perfekter Dramaturgie klingt: „Dass ich in Dresden keine zweite Amtszeit als Rektor tätig sein werde, hat nichts mit dieser wunderbaren Hochschule zu tun, sondern damit, dass meine Tochter in Stuttgart lebt und dort demnächst mein zweites Enkelkind geboren wird. Eigentlich hatte ich für mich beschlossen, in Zukunft lieber freiberuflich tätig zu sein, um mehr Lebenszeit für die Familie zu haben. Und nun ergab es der Zufall, dass  ausgerechnet in dieser Stadt, wo meine Tochter lebt, die Hochschule eine Direktorenstelle zu vergeben hatte – ich habe mich beworben und ich habe sie bekommen.“

Im Nachhinein könnte man sagen, das sollte so sein: Die Familienzusammenführung als Fügung. Dabei erfuhr Köhler von der Ausschreibung nur zufällig. „Eine Kollegin der HMDK Stuttgart, mit der ich in einer Berufungskommission saß, erzählte mir von ihrer Hochschule, wie sehr sie sich wundere, dass sich dort schon so lange kein Rektor oder keine Rektorin fände.“ Daraufhin sei er neugierig geworden, habe im Internet das Bewerbungsportal dieser angesehenen Bildungseinrichtung studiert (dessen Frist ausgerechnet zu seinem Geburtstag enden würde) und sich beworben. Zum Schluss ist Köhler als einziger für die hohen Kriterien dieser Position in Frage kommende Kandidat übrig geblieben.

„Also, das hat mich selber sehr überrascht, denn ich weiß ja, dass sich auf solche Stellen natürlich nicht nur drei bis vier Persönlichkeiten bewerben. Insofern fühle ich mich sehr geehrt, dass die Findungskommission nun so entschieden hat und auch der Akademische Senat diesen Wahlvorschlag akzeptiert hat. Und jetzt kann ich nur hoffen, dass ich den Erwartungen, die in mich gesetzt werden, auch gerecht werde.“

Ein womöglich ausschlaggebender Aspekt für die überwältigende Zustimmung zur Wahl Köhlers dürfte dessen Antwort auf die Frage gewesen sein, wie sich Stuttgarts Hochschule denn im Laufe der kommenden Jahre entwickeln werde: „Ich denke, die Stuttgarter Hochschule wird dann so ähnlich aufgestellt sein wie die Dresdner, nämlich dass die Studienbewerberinnen und -bewerber national und international unbedingt an diese Hochschule wollen. Und ich freue mich vor allem auf die Arbeit in Stuttgart, weil es dort noch etwas gibt, was Dresden nie bekommen würde, nämlich das Schauspiel, das Figurentheater und Sprechkunst. Das sind wirklich Dinge, die mich sehr interessieren.“

Kein Wunder, schließlich ist der 1960 in Schwarzenberg (Erzgebirge) geborene Axel Köhler viele Jahre nicht nur erfolgreich als Sängerdarsteller und international herausragender Countertenor in Konzerten und Opern unterwegs gewesen, sondern hat sich – nach seiner Intendanz am Opernhaus Halle und zahlreichen Arbeiten als Regisseur – just mit der Partie des Professor Higgins im Musical »My Fair Lady« von der Bühne der Staatsoperette Dresden verabschiedet. „Und das hat ja sehr viel mit Sprechkunst zu tun, insofern interessiert mich das sehr. Auch Orgel ist im Portfolio von Stuttgart, es ist eine sehr angesehene Hochschule. Wo sie in acht Jahren steht, das weiß ich jetzt natürlich noch nicht. Aber ich hoffe, dass sie weiter nach vorn geht, vor allem in Digitalisierungsprozessen. Es gibt ja Sachen, die hochschulübergreifend für alle wichtig sind. Und da macht es keinen Unterschied, welche Hochschule man leitet.“

Im Stuttgarter Findungsprozess sei Axel Köhler gefragt worden, worauf er in Dresden besonders stolz wäre. Als erstes habe er darauf verwiesen, wie die Corona-Zeit gemanagt werden konnte. „Mit allen Studierenden, allen Kolleginnen und Kollegen und sämtlichen Mitgliedern im Rektorat war das ein so tolles Zusammengehen, dass wir mit der uns übertragenen Hochschulautonomie über 90 Prozent der normalen Lehrinhalte geben konnten, trotz Lockdown und trotz Beschränkungen. Dazu gehört das große Frauenkirchen-Projekt im März ’22 am Ende der Omikron-Welle mit Bernsteins »Mass-Oratorium« und dem ersten Auftritt der Bigband im »Sacred Concert« von Duke Ellington. Bei diesem Konzert haben inklusive Landesgymnasium für Musik knapp 300 Leute aus unserer Hochschule teilgenommen, es wird uns ewig in Erinnerungen bleiben.“ Ebenso sei das Schütz-Semester zum 350. Todestag von Heinrich Schütz ein großer Erfolg gewesen: „Darin wurde wissenschaftlich und künstlerisch-praktisch so viel in seinem Sinne gearbeitet, dass nicht nur die Studierenden etwas mitbekommen haben, die Barockgesang oder Barocktrompete belegen, sondern da war wirklich für alle etwas dabei, bis hin zu unseren Komponistinnen und Komponisten, die sich zu Schütz verhalten haben. Da sind Innovationen am Start gewesen, ist Tradition sowie Weiterentwicklung der Tradition am Start gewesen, da gab es sehr viel Verbindendes.“

Verbindungen zu gestalten scheint Axel Köhler sehr wichtig zu sein; natürlich nicht nur familiär, sondern auch hochschulübergreifend. Schon jetzt denkt er darüber nach, Kontakte zu Stuttgarts Partnerstadt Brno zu knüpfen. „Auch dort gibt es ja eine Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, zwar ohne Schauspiel, aber dafür mit Musical. Ich kann mir gut vorstellen, dass man da eine gute Partnerschaft aufbauen und pflegen kann.“ Zwischen Dresden und Wrocław hat das schließlich auch gut funktioniert.