Kreativ in pandemischen Zeiten

Möglicherweise steht Dresden ja doch nicht nur für Quertrinker, sondern auch für Hoffnung und Kreativität?

Wer jetzt gelähmt ist, wird es lange bleiben. Wer jetzt ein Haus hat, sollte dankbar sein. Die Binsenweisheit, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt, klingt so abgedroschen, dass man mitunter schon nicht mehr Spreu (Krise?) vom Weizen (Chance?) auseinanderzuhalten vermag.

Ja, es gibt Menschen, die sind in ihrer Kreativität jetzt gelähmt. Entweder notgedrungen, weil sie nicht auftreten, singen und anderweitig musizieren können, oder aber weil ihnen jetzt einfach die Muse abhanden gekommen ist. Inspiration in Quarantäne?

Dann gibt es natürlich die Chronisten unter der Künstlerschaft, in diesen Zeiten auch Coronisten genannt. Sie schreiben Corona-Geschichten, malen Corona-Bilder und drechseln Corona-Lieder (mit teils schaurigen Reimen und Rhythmen). Ein Großteil dieser aus der Kunst gunstloser Stunden entstandenen Kreationen wird in dem Moment vergessen sein, da wir durch die zweite Welle durchgetaucht sind.

An vielen Orten wird in aller Abgeschiedenheit ein Stück Normalität geprobt. Hinter den Kulissen und ganz ohne Publikum. Damit Spiel- und Gesangstechnik trainiert werden. Und wo jetzt so gar keine Musik erklingen kann, wird kräftig zur Hoffnung geblasen. Im Dresdner Jazzclub Tonne zum Beispiel. Denn auch dort mussten alle Konzerte abgesagt werden, ist hier und da ein Stream angekündigt, wurde ganz still und leise der Internet-Auftritt modernisiert. Das ist zeitgemäß, blickt nach vorn und macht Hoffnung.

Die stirbt bekanntlich zuletzt (noch so eine Binse). Musikfestspiel-Intendant Jan Vogler will gar mit dem Dresdner Festspielorchester ein Zeichen der Hoffnung von  Dresden aus in die Welt senden. Ein Weihnachtskonzert ganz ohne den klebrigen Glühwein der Quertrinker und sonstigen Knaller. Heute ab 20 Uhr live auf der Streamingplattform Dreamstage – wenn nicht das garstige Virus im letzten Moment noch die Pfote hebt und der Termin wegen eines Positivtests eines der Mitwirkenden abgesagt werden muss. Thomanerchor, Kreuzchor und Dresdner Kammerchor sind aus diesem Grund gerade lahmgelegt, die geplanten Streamings und Vespern sind passé.

Blicken wir nach vorn und bleiben hoffnungsvoll.