Jazz wird alles besser

Jazzblut-Creutziger

„Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit. – Klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ Solche Thesen zogen sich durch die vergangenen zwölf Monate, Seite für Seite auf einem opulenten Kalender, dessen Papierstärke von Monat zu Monat abnahm. Ein treffliches Sinnbild für die verrinnende Zeit mit nachdenklich stimmenden Worten. „Lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit. – Schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit.“

Gestaltet wurde dieses großformatige Blattwerk unter dem Titel »MACROPOLIS 2020 – Die Zeit existiert nicht« vom Dresdner Fotografen Matthias Creutziger,  der bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit dem Grafiker Thomas Walther und der Meißner Druckerei Thomas Thieme kalendarische Meisterstücke produziert. Da sie nicht in den Handel gelangen, sondern von den Machern ausschließlich in Privathände gegeben werden, haben diese Kalender längst Kultstatus und sind einem übers Jahr ans Herz gewachsene, bestens gehegte Sammelobjekte geworden.

Öffentliche Wirkung haben sie dennoch erzielt, denn sowohl der nach einer im Frühjahr 2017 erfolgten Kuba-Reise gestaltete Fotokalender »¿Que bolá Cuba? – 2018« als auch der im Jahr darauf gefertigte »Souks Inside« wurden mit Preisen wie dem »Gregor Photo Calender Award« und dem »Gregor Calender Award« gehrt. Diese Auszeichnungen vom Grafischen Club Stuttgart zählen zu den begehrtesten der Druck- und Medienbranche in Europa. Mit vielen Hundert Einsendungen aus aller Welt bewerben sich regelmäßig professionelle und freiberufliche Kalendergestalter darum. Für das Zeit-Werk »MACROPOLIS 2020« wurden Matthias Creutziger und sein Team gleich doppelt geehrt und erhielten neben der Goldmedaille auch noch den Grand Prix.

Kaum vorstellbar, dass der für das Jahr 2021 aufgelegte Kalender mit dem sprechenden Titel »Sehsucht« an diese Erfolgsgeschichte nicht anknüpfen sollte. Augen-Blicke historischer Schaufensterfiguren werden uns durch die zwölf kommenden Monate begleiten.

Ganz sicher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch überregional agierende Kalenderhersteller auf die Kunstwerke von Creutziger, Thieme und Walther aufmerksam geworden ist. Das bereits 2017 erschienene Schmuckstück namens »Jazzblut!« ist nun überarbeitet worden und vom renommierten DuMont-Kalenderverlag ediert worden. Ein ganzes Jahr voller Musik wird uns da unterbreitet. Feinsinnige Porträts von Jazz- und Klassik-Interpreten begleiten uns durch das kommende Jahr, die geradezu klangvollen Abbildungen sind mit sprechenden Zitaten versehen. Der gigantische Pianist Ray Charles etwa bezeichnet Musik als „eine Notwendigkeit für mich wie Essen und Trinken“, Cellist Mischa Maisky spricht sich für eine Weltoffenheit aus, wie sie für vernunftbegabte Wesen längst überfällig sein sollte, und Jazz-Gitarrist John Scofield verrät, dass einander Zuhören der Schlüssel zum Miteinander ist. Bewegend sind die Erinnerungen an den großartigen Pianisten Michel Petrucciani, an den exzellenten Drummer Elvin Ray Jones sowie an den polnischen Jazztrompeter Tomasz Stanko. Eindrucksvoll lichtete Matthias Creutziger Künstlerpersönlichkeiten wie den Bassisten Henri Texier, die Saxofon-Legende Archie Shepp und Altmeister Charles Lloyd ab, geradezu ins Ohr gehend die Porträts der Pianistin Mitsuko Uchida, des Saxofon-Rebellen Pharoah Sanders und in ganz besonderer Weise des britischen Dirigenten Colin Davis, der dem Dresdner Kapellpublikum unvergessen geblieben ist. All diese Erinnerungen sind nun erhältlich auf dem faszinierenden »Jazzblut!«-Kalender 2021 mit der verheißungsvollen Lautmalerei auf dem Titel.