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Alle Konzerte fallen jetzt aus? Ja, aber sehr unterschiedlich.

Die Sächsische Staatskapelle zum Beispiel zelebriert eine Uraufführung. Nein, nicht gestreamt und nur im Netz, sondern ganz exklusiv für den Rundfunk. Weil die Bühne der Semperoper nicht dafür freigegeben wurde, zog das Orchester flugs in seinen Probenraum und holte dort einen im Mai abgesagten Aufführungsabend nach. Ohne Publikum, versteht sich, aber für die gesamte Hörerschaft von MDR Kultur, MDR Klassik und Deutschlandfunk Kultur.

In diesem sehr besonderen Konzert erklingen als veritable Uraufführung »Fünf kleine Stücke für Orchester« von Aribert Reimann sowie das d-Moll-Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und die Sinfonie Nr. 64 von Joseph Haydn. Am Pult der Kapelle teilen sich der Dirigent Gaetano d’Espinosa und der Geiger Matthias Wollong in die künstlerische Arbeit. Der Italiener leitet die Reimann-Uraufführung, der Erste Konzertmeister die Haydn-Sinfonie und Mendelssohns Violinkonzert, in dem er auch den Solopart übernimmt.

Dieses Engagement ist zugleich eine nachträgliche Wiedergutmachung am Capell-Compositeur der vergangenen Saison, denn Aribert Reimann hat seine fünf Orchesterstücke ausdrücklich im Auftrag der Kapelle geschrieben.

Nach diesem Vorbild können freilich die für Anfang kommenden Jahres angekündigten »Ring«-Zyklen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann nicht so wie vorgesehen aufgeführt werden. Die Semperoper arbeite jedoch an einer den geltenden Hygienevorschriften kompatiblen Alternativlösung für diese Inszenierung von Willy Decker.

Auch die Dresdner Philharmonie schaut nach vorne. Gerade ist der Vertrag von Chefdirigent Marek Janowski um ein Jahr verlängert worden. Der Maestro bleibt dem Klangkörper bis vorerst Sommer 2023 verbunden und plant ebenfalls einen »Ring«-Zyklus, der allerdings von vornherein konzertant geplant ist. Auch eine Japan-Tournee hofft das Orchester realisieren zu können.

Bei so viel Enthusiasmus greifen die Philharmoniker auch gleich mal in ihre Orchesterkasse und unterstützen das Heinrich-Schütz-Konservatorium als wichtige Ausbildungsstätte der Musikstadt Dresden mit einer Spende in Höhe von 5.000 Euro. So motivieren sich Kooperationspartner. 

Ob allerdings die jüngsten Fahndungserfolge der Polizei für Motivation im Direktorium der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sorgen, ist derzeit noch fraglich. Zwar sind die möglichen Diebe des knapp ein Jahr zurückliegenden Einbruchs im Grünen Gewölbe gefasst – nach dem Brimborium um die sogenannte Prinzenhochzeit der wohl peinlichste Akt in der jüngeren Geschichte des Hauses -, doch ob auch von den Klunkern noch was zu finden sein wird, steht derzeit in den funkelnden Sternen. 

Gute Nachrichten werden auch aus dem Kinderzimmer des sächsischen Ministerpräsidenten angekündigt: Sobald die Infektionszahlen der Pandemie es erlauben, würden auch in Sachsen wieder Musikschulen geöffnet, versprach der zu Heimarbeit verdammte Politiker. Im Gegensatz zu Dresdens Oberbürgermeister, der offenbar nichts lieber als den Weihnachtsmann auf gut besuchten Weihnachtsmärkten geben will, ist das doch mal eine handfeste Aussage.

Wem das alles als Lichtblick nicht ausreicht: In gut einem Monat werden die Tage wieder länger. Das ist doch weit mehr als bloß ein Hoffnungsschimmer. Bis dahin lasst uns Abstand halten und den nächsten Sendetermin des Kapellkonzerts nicht verpassen: 20. November 20.03 Uhr im Deutschlandfunk Kultur.

18.11.2020Kolumnen