Personalien, Personalien, Personalien

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Ekkehard Klemm bleibt der Elbland-Philharmonie Sachsen als Chefdirigent erhalten. Hans-Georg Wegner verlässt das Deutsche Nationaltheater Weimar. Zwei Künstler mit exakt zehn Jahren Altersunterschied, beide haben sie – in unterschiedlicher Weise, versteht sich – Spuren in Dresden hinterlassen. Wenn sie nun Grundverschiedenes tun, der eine bleibt, der andere zieht weiter, so ist es doch sehr ähnlich. Und auch der bevorstehende Weggang von Andreas Schüller, der bis zum Sommer noch als Chefdirigent an der Staatsoperette verpflichtet ist, fügt sich in diese künstlerische Bewegung.

Ekkehard Klemm, Jahrgang 1958, hat es sehr früh nach Dresden gezogen, er kam aus dem seinerzeit nach einem deutschen Philosophen benannten Chemnitz mit zehn Jahren zum Dresdner Kreuzchor, was ihn stark geprägt hat. Später studierte er an der hiesigen Musikhochschule Dirigieren, Klavier und Komponieren. Da mochte er noch nicht geahnt haben, dass er dieser Lehreinrichtung mal als Rektor das Gepräge geben würde. Der Draht zu Dresden hat er nie gekappt, auch wenn er zwischenzeitlich als Kapellmeister unterwegs war, Positionen als Chefdirigent übernahm und in Altenburg, Greifswald sowie am Gärtnerplatztheater München Station machte.

Seit 2003 band ihn eine Professur mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, ein Jahr darauf übernahm er die Leitung der Singakademie Dresden und 2016 wurde er zum Chefdirigenten der Elbland-Philharmonie berufen. Der vorerst bis Sommer nächsten Jahres laufende Vertrag wurde nun bis 2025 verlängert. Das spricht für das gewachsene Vertrauen zwischen ihm und den Orchestermitgliedern, mit denen Ekkehard Klemm einen ausgedehnten Kulturraum rund um Dresden bespielt. Von Riesa über Meißen bis Pirna, vom Osterzgebirge über Radebeul bis in die Sächsische Schweiz und darüber hinaus mit Gastspielen in Dresden und Leipzig ist der über ein vielseitiges Repertoire verfügende Dirigent präsent. Die soeben bekanntgegebene Vertragsverlängerung verleiht dem aus der Fusion von Neuer Elbland-Philharmonie und dem vormaligen Orchester der Landesbühnen Sachsen hervorgegangenen Klangkörper eine Verlässlichkeit, was wohl gerade in diesen ohne Ende von Fragen überschatteten Zeiten höchst bedeutsam ist.

Hans-Georg Wegner, 1968 in Dessau geboren, ist von 2000 bis 2007 Dramaturg an der Dresdner Semperoper gewesen, wo er ab 2004 Stellvertretender Chefdramaturg war. Anschließend wechselte der als Bühnentechniker in Nordhausen mit dem Theater in Berührung gekommene und später als Regieassistent in Stendal Erfahrungen sammelnde Autor zahlreicher Opernlibretti nach Bremen. Dort war er Chefdramaturg und zuletzt Künstlerischer Geschäftsführer des Theaters, bevor er von 2013 an als Operndirektor ans Deutschen Nationaltheater Weimar wechselte und die Verantwortung für das Musiktheater übernahm.

Der dortige Generalintendant Hasko Weber, einst Schauspieler, Regisseur und Schauspieldirektor am Staatsschauspiel Dresden, lässt Hans-Georg Wegner nur ungern ziehen. Doch die sich über mehrere Jahre dahinschleppende Krise am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin macht es nun nötig, das traditionsreiche Haus wieder in sichere Fahrwasser zu leiten. Mit Wirkung vom Sommer 2021 übernimmt Hans-Georg Wegner die Generalintendanz in Schwerin und somit die Künstlerische Leitung. Sein Ziel sei es, in Schwerin an die großen Theatertraditionen der 1970er und 1980er Jahre anzuknüpfen. Das Haus avancierte damals (unter Christoph Schroth) landesweit zur Pilgerstätte. Wenn es diesen Ruf wieder erlangt, wäre sehr viel erreicht!

Andreas Schüller, gebürtiger Berliner Jahrgang 74, kam über europäische Umwege an die Elbe. Lehrreiche und fruchtbare Wege, die den einstigen Hornisten und Pianisten an Opernhäuser und Klangkörper seiner Geburtsstadt ebenso führten wie zu den Salzburger Festspielen, an die Volksoper Wien sowie an die Oper Leipzig, wo er als Erster Kapellmeister agierte. Seit 2013 ist Schüller Chefdirigent der Staatsoperette Dresden, wo er von Leuben aus ins Kraftwerk Mitte ein musikalisch vielfältiges Repertoire bestritt. Ein ganzes Dutzend Premieren hat er in seiner Dresdner Amtszeit herausgebracht. Nun wird er sich mit einer Handvoll Konzerten unter dem Titel »Schlösser, die im Monde liegen« an dieser Wirkungsstätte verabschieden, um sich stärker auf das seit 2005 von ihm geleitete Niederösterreichische Festival für Alte Musik in Retz zu konzentrieren.

Ekkehard Klemm, Hans-Georg Wegner und Andreas Schüller: drei unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten mit verschiedenartigem Werdegang. Drei Macher, die ihre Arbeit, die Kunst und das Publikum ernst nehmen. Bei allen Unterschieden gibt es doch viel Gemeinsamkeit.

13.06.2020Kolumnen