Von Isang Enders bis Dr. Nu

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Von Isang Enders bis Dr. Nu

2016 wählte die Elbland Philharmonie Sachsen Ekkehard Klemm zum neuen Chefdirigenten. Im Herbst 2017 trat er sein Amt an und hat das Orchester in nicht einmal zwei Jahren durch beharrliche Arbeit und kluge inhaltliche Akzente einen Riesenschritt vorangebracht. Nun stellten Dirigent Klemm, Dramaturg Thomas Herm  und die Geschäftsführerin Carola Gotthardt die Pläne der kommenden Spielzeit vor. Das Trio präsentierte einen unglaublich vollgepackten Spielplan.

Es ist ja ein kitzlige Angelegenheit, das Orchester zielgerichtet zwischen allen Stühlen zu platzieren, die Saisonpläne ganz verschiedenen Anforderungen gerecht werden zu lassen. Da sind die kleineren Orte der Region mit Filmmusikhits aus der Serie „Game of Thrones“ oder populären Formaten á la „Ilse Bähnert jagt Dr. Nu“ zu versorgen. Gleichzeitig sollen auch die musikverwöhnten Großstädter mit interessanten Formaten und selten aufgeführten Werken gelockt, die Opernversorgung an den Landesbühnen abgedeckt und verschiedene Familienkonzerte weiterentwickelt werden. Sage und schreibe 196 Konzert- und Operntermine werden so in der Spielzeitvorschau aufgezählt. Der Chefdirigent übernimmt vertragsgemäß mehr als ein Viertel davon selbst. Und hat, liest man den Saisonplan einmal quer, offenbar wieder sein Telefonbüchlein aufgeklappt und die wichtigsten sächsischen Künstler, von Nachwuchsstars wie der Violinistin Charlotte Thiele über Publikumslieblinge wie den Geiger Florian Mayer bis hin zu Altmeistern wie dem Pianisten Peter Rösel, angerufen und verpflichtet. Der Beethoven-Schwerpunkt des Jubiläumsjahres 2020 ist geschickt mit ungewöhnlichen Opuszahlen abgedeckt, darunter die „Schlachtensymphonie“ oder die „Kantate auf den Tod Josephs II.“. Und apropos Schlachtengetümmel: in einem einzigen Elbland-Konzert ist tatsächlich Friedrich Kuhlaus Ouvertüre zum Drama „Elverhøj“ („Der Elfenhügel“) versteckt, zu deren mächtigen, durch taktgenau gezündete Sprengladungen verstärkten Paukenschlägen die Olsenbande bekanntlich ins Königliche Theater Kopenhagen einbricht. Daneben stehen dann ganz selbstverständlich auch schwierige, herausfordernde Werke wie Wilfried Krätzschmars unlängst in Hellerau uraufgeführte 5. Sinfonie oder die Requienkompositionen von Berlioz, Dvořák und Mozart.

Das Orchester darf also tagtäglich erneut seine unerschrockene Multifunktionalität beweisen. Es ist neben den regulären Philharmonischen Konzerten unter anderem bei den Neuen Burgfestspielen Meißen, zu den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen, dem Windbergfest Freital oder dem „Tag der Sachsen“ in Riesa zu Gast, unterhält mit einem „Philharmonischen Orchesterball“, spielt mit der Radebeuler Sängerin Silvana Mehnert alias „Miss Rockester“ eine CD ein, gibt dem dirigentischen Nachwuchs zahlreiche Debüt-Möglichkeiten und baut die Zusammenarbeit mit der Singakademie Dresden aus. Und erst die

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Kinderkonzerte! Hier ist von Mitmachkonzerten, „Musik in der Kindertagesstätte“, „Musik im Klassenzimmer“ bis hin zu verschiedenen „Tierischen Vergnügen“ dieses Jahr so viel geboten, dass den Orchesterkollegen in den größeren (und besser bezahlten) Schwesterensembles der Region die Ohren schlackern dürften. Was die Anzahl der Veranstaltungen angeht, gibt denn auch die Geschäftsführerin im Gespräch zu, sei dieses Jahr für die Musiker der Elbland Philharmonie die absolute Schmerzgrenze erreicht. Nun müsse man sich ernsthaft Gedanken machen, an welchen Konzertformaten nächstes Jahr wieder etwas eingespart werden könne. Und welchen lokalen Veranstalten man eventuell schweren Herzens die angefragten Termine absagen müsse. Ja, das gibt es heutzutage: dass ein Sinfonieorchester das Bachsche Weihnachtsoratorium nacheinander mit verschiedenen Kantoreien und Solisten aufführt, danach sieben Neujahrskonzerte nacheinander gibt oder ein beliebtes Konzert mit dem Cellisten Isang Enders, der sich das 2. Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch vorgenommen hat, innerhalb einer Woche nacheinander in Pirna, Meißen, Radebeul, Großenhain, Dresden und Riesa auf den Plan setzt. Dem, der sich durch dieses dicht gepackte Vorschauheft gelesen hat, bleibt die Hochachtung vor den Künstlern, die diese Spielzeit hoffentlich ohne Burnouterscheinungen überleben, und gleichzeitig eine unbändige Neugier und Vorfreude auf all das, was nun nach der Sommerpause auf uns Hörer zukommt.

Alle Termine und Tickets: www.elbland-philharmonie-sachsen.de

Eine Textfassung des Artikels ist am 11. Juli in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

12.07.2019Allgemein