»Faust« mit zwanzigtausend Watt

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»Faust« mit zwanzigtausend Watt

Die Premiere der Oper Faust/Margarete von Charles Gonoud am Samstag 5. Juni 2010 begeisterte ihr Publikum, innen im Opernhaus wie außen auf dem Dresdner Theaterplatz. Die Semperoper hatte zu kostenlosem Kunsterlebnis unter freien Himmel eingeladen. Dort genossen etwa 4000 Zuschauer die Neuinszenierung der populären Oper, die zu den meistgespielten französischen Opern in Deutschland zählt. In Dresden hatte sie ihre letzte Inszenierung vor langer Zeit 1936 erfahren.

Gerade rechtzeitig war doch noch Sommer geworden (Foto: Matthias Creutziger)

Die vom Intendanten Gerd Uecker seit langem angestrebte ‚Öffentliche Aufführung – Public Viewing‘ einer Oper auf dem Theaterplatz erforderte hohen technischen und logistischen Aufwand. Ein riesiger Bildschirm von 5,6 mal 10 Meter Größe und mit 10 Millimeter Auflösung der Bild-LEDs, dazu zwei Schalltürme mit 20 Kilowatt Akustikleistung brachten Bild und Musik in hoher Qualität zum locker auf dem Platz in Picknickatmosphäre verteilten Publikum. Eigens produzierte Papphocker konnten erworben und als Souvenir mitgenommen werden. Die konzentrierende Bildregie von Jonathan Haswell mit übersetzten Textzeilen im unmittelbaren Gesichtsfeld des in Originalsprache Gesungenen erleichterte das Verständnis des Handlungsgeschehens. Auffallend: die Aufmerksamkeit, Konzentration und Ruhe der Zuschauenden, viel Jugend darunter – wohltuend im Gegensatz zum Geplappere vielerorts bei Freiluft-Opern, beispielsweise auf den oberen Rängen der Arena von Verona. Bildschirm, eine kleine Bühne und alle Nebenanlagen waren auf der öffentlichen Fläche vor dem Italienischen Dörfchen aufgestellt, was die Genehmigungs-Verhandlung mit der Stadt erleichterte, denn die Platzfläche vor der Semperoper ist für Veranstaltungen tabu – bis auf drei Großereignisse im Jahr.

Da die Oper selbst keinen Haushaltsposten für solche Veranstaltungen hat, werden die Kosten von 150.000 Euro komplett von der Stiftung zur Förderung der Semperoper getragen, der – wie auch Professor Klaus Fischer – für einen größeren Sonderbeitrag zu danken ist. Von der Moderatorin Tina Mendelsohn eingeführt, begrüßte Gerd Uecker das Publikum auf der „Traumloge“ des Dresdener Theaterplatzes. In seiner Absage nach drei Stunden Openair Operngenuss verabschiedete er sich, auch als scheidender Intendant, nach Angabe der nächsten Faust/Margarete Aufführungstermine heiter mit „Am besten, Sie kommen zu allen!“

07.06.2010Allgemein