Das Kulturrathaus steht noch. Sein Keller hat dem Ansturm des Freitagabends stattgehalten. Der Ansturm wider Sandstein, Spritzbeton und zahlreiche Trommelfelle kam von Ken Vandermark und seinem Quartett „international total improvisation“ (iTi). Wer etwa geglaubt hätte, die von Ungebundenheit nur so strotzende Improvisationskunst sei längst ausgereizt, sah sich aufs Beste getäuscht.
Aldo Lindhorst
Manche Veranstaltungssäle blieben im Herbst ’89 ziemlich leer. Ab Mitte Oktober jedenfalls, da fielen manche Jazzkonzerte aufgrund fehlenden Publikums sogar aus. Die Menschen des Elbtals begafften durchfahrende Reisezüge sowie rettungslos überforderte Volkspolizisten am Hauptbahnhof und endlich auch, den ersten Satellitenschüsseln sei Dank, das West-Fernsehen auf der Ost-Mattscheibe.
Experimente und Novitäten sind Grundlagen des Jazz. Improvisationskunst ist da oft nicht nur auf der Bühne gefragt, sondern nicht minder…

Wenn zum Abschluss der diesjährigen „Jazzwelten“ ein Doppelkonzert mit zwei phänomenalen Bands angesagt ist und sich dennoch eine einzige Person durchgängig die Hauptrolle gebärdet, ist das entweder ziemlich bemerkenswert …