Gedenken im Februar

Kolumnen

Gedenken im Februar

Wenn es heißt, dass zum 13. Februar „die Rechten“ nach Dresden kommen, ist ziemlich klar, dass es die Unrechten sind, die just eine Stadt wie Dresden wirklich nicht braucht. Wenn montags „die Aufrechten“ durch die Stadt poltern, ist ebenfalls klar, das es mehr die Geknickten sind. Man mag das als Wortklauberei ansehen – aber ist es in Wahrheit nicht eher ein Wortklau, vergleichbar dem der selbsternannten „Querdenker“?

In diesem Jahr hätte Dresden einmal die Chance, der Opfer des 13. Februar 1945 sowie der daraus auch heute noch zu ziehenden Lehren im Stillen zu gedenken. Es gibt keinen Klamauk wie Fasching und Opernball, keinen Auflauf am roten Teppich; nicht mal seriöse Veranstaltungen finden statt. Die Stadt harrt im Stillstand.

Da wäre Gelegenheit, sich die von Künstlerinnen und Künstlern gestalteten Orte anzuschauen, die unter dem Motto »Erinnern und Gedenken« im Stadtgebiet verteilt sind. Sonst bleibt eben nur die Kerze im Wohnzimmerfenster oder halt auf dem eigenen Tisch.

Dennoch gibt es eine Reihe von Ideen, um gegen Unrecht und Quertreiberei aufmerksam zu machen. Unter freiem Himmel gibt es nur wenige Aktivitäten, keine Großveranstaltung und schon gar keine Menschenkette. »Gesicht zeigen« geht aber doch: Per Selbstporträt, das auf www.dresden.de/menschenkette hochgeladen werden kann. Ansonsten ist vorrangig ein stilles Innehalten denkbar, auf den Friedhöfen etwa. Mit geziemendem Abstand darf wohl auch der Politikertreff auf dem Altmarkt begutachtet werden.

Ihrer langen Tradition der Gedenkkonzerte zum 13. Februar bleiben aber auch die Dresdner Philharmonie sowie die Sächsische Staatskapelle treu – wenngleich notgedrungen ohne Live-Publikum. Marek Janowski, Chefdirigent der Philharmonie, lässt es sich nicht nehmen, mit seinem Orchester und Kompositionen von Johann Sebastian Bach (in einer Bearbeitung von Anton Webern), Wolfgang Amadeus Mozart sowie Richard Strauss zeitversetzt ab 20.05 Uhr bei MDR Kultur präsent zu sein. Sachsen Fernsehen überträgt das Konzert live ab 18.30 Uhr, im Internet ist es per Livestream zu verfolgen. Und die Kapelle widmet sich ebenfalls Bach und wird unter der musikalischen Leitung von Philippe Herreweghe nachdenklich stimmende Kantaten des Thomaskantors für Deutschlandfunk Kultur einspielen. Gesendet wird der Mitschnitt am morgigen Samstag ab 19.05 Uhr.

Die Hoffnung bleibt – auch musikalisch transportiert -, dass irgendwann die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden. Missbraucht worden ist sie schon viel zu oft.

12.02.2021Kolumnen