Der doppelte Offenbach

Kolumnen

Der doppelte Offenbach

Das Offenbach-Jahr zum 200. Geburtstag des am 20. Juni 1819 in Köln geborenen Komponisten ist zwar vorbei, doch wenn ein Musiker schon ‚Bach‘ in seinem Namen trägt, dann darf und soll er doch jedes Jahr gefeiert werden. Und außerdem stünde in diesem Jahr ja auch das Erinnern an seinen 140. Todestag an. Jacques Offenbach hat sich am 5. Oktober 1880 in Paris von der Welt-Bühne verabschiedet.

Dass der zeitlebens ziemlich fleißige Jacques Offenbach, wie sich der als Jakob geborene Komponist bald nach seiner Übersiedlung vom Rhein an die Seine genannt hat, nun auch an der Elbe in Dresden kräftig gefeiert wird, ist vermutlich nur einer Laune der Spielplangestaltung zu verdanken. Allerdings einer doppelten, denn sowohl die Staatsoperette Dresden als auch die Sächsische Staatsoper haben Offenbach für die laufende Saison in ihre Premierenplanung gesetzt. Und das auch noch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen! Theatergesetze mögen ja reine Willkür sein, können aber mitunter in purer Vergnüglichkeit gipfeln.

So kommen also an diesem Wochenende gleich zwei Opera-bouffe auf die Bühnen des Elbtals. »Die Banditen« an der Operette, »Die Großherzogin von Gerolstein« in der Semperoper. So viel Ähnlichkeit wie Gegensatz.

Im Kraftwerk inszeniert mit Valentin Schwarz gewissermaßen ein Neuling – aber wohl einer von Format. Der Mann ist gerade mal Anfang 30 und wir im anstehenden Sommer sein Debüt zu den Bayreuther Festspielen ablegen. Nicht etwa mit einem »Holländer« oder »Tannhäuser«, nein: Der komplette »Rind des Nibelungen« wird es sein, den Valentin Schwarz da gemeinsam mit dem finnischen Dirigenten Pietari Inkinen herausbringen wird. Ein Sprung ins sprichwörtliche Haifischbecken?

Valentin Schwarz sieht das relativ gelassen. Er habe mit neun Jahren Wagners Oper »Der fliegende Holländer« erlebt, da sei es um ihn geschehen gewesen. Und wohl nur eine Frage der Zeit, dass Katharina Wagner auf ihn aufmerksam wurde. So aufmerksam, dass sie ihm sogleich diesen »Ring« anvertraut hat.

Valentin Schwarz hat erst 2017, vor drei Jahren also, sein Regiestudium in Wien abgeschlossen. Mit Auszeichnung allerdings! In kürzester Zeit wurde er mit Preisen regelrecht überschüttet und durfte sich alsbald mit den unterschiedlichsten Werken des Musiktheaters ausprobieren.

In Dresden faszinieren ihn der Humor, der Ulk und die Hintergründigkeit der »Banditen«. Dass die sich an der »Großherzogin von Gerolstein« geradezu reiben, sieht der Regisseur als Herausforderung. Nicht zuletzt auch fürs Publikum, dem nur ein Besuch beider Offenbach-Neuproduktionen anempfohlen werden kann.

In der Semperoper hat Josef E. Köpplinger, seit 2012 Intendant des Münchner  Theaters am Gärtnerplatz, inszeniert. Seine Großherzogin ist ein Star: Anne Schwanewilms verkörpert hier die Titelfigur, die sich just in einen kleinen Militär verguckt. Der heißt schlicht und einfach Fritz (was erkennbar für den realistischen Blick Offenbachs und seiner Librettisten auf die Albernheit von militärischem Popanz steht) und wird von Maximilian Mayer dargestellt.

Neben dem jungen Tenor agiert Daniel Prohaska in seinem Semperoper-Debüt als Prinz Paul. Die musikalische Leitung der Neuproduktion liegt in Händen von Jonathan Darlington.

Ein vergnügliches, ein hintersinniges Musiktheater-Wochenende also ganz im Zeichen von Jacques Offenbach!

28.02.2020Kolumnen