Die rotzrote Trompete

Kolumnen

Die rotzrote Trompete

Die rotzrote Trompete, das Signet des Dresdner Jazzclub Tonne betritt, geht auf einen seiner vielen künstlerischen Einfälle zurück. Jürgen Haufe hat die hiesige Musikszene bildhaft mitgestaltet. Sowohl im jahrelang verwendeten Original dieses umtriebigen Clubs als auch in zahllosen Plakaten zum Jazz in Dresden und darüber hinaus. Wer beispielsweise die Leipziger Jazztage regelmäßig besucht hat, sah Haufes jazzigen Collagen unübersehbar vor sich. Jahr um Jahr schuf Jürgen Haufe ein neues Instrumentalbild für diese meist großartigen Feste der Improvisation. Es hätte so weitergehen können, ja sollen, doch seit nun schon zwanzig Jahren ruht dieser bis dahin so unruhige und stets einnehmend freundliche Künstler vermutlich im Jazz-Himmel. Er wurde mit noch nicht mal fünfzig Jahren aus dem Leben gerissen.

Eine Weile noch hielt man in Leipzig an seinem energetischen Jazztrompeter aus den 1990er Jahren fest, inzwischen ist auch dieses klingende Bildnis Geschichte.

Dem am 15. Oktober 1949 in Ohorn geborenen Grafiker, Maler und Typografen wurden posthum mehrere Ausstellungen gewidmet, so etwa vom Freitaler Kunstverein im dortigen Einnehmerhaus, wo der Beweis angetreten wurde, dass Jürgen Haufe weit mehr als nur ein Plakat- und Label-Gestalter gewesen ist. Vielmehr ist er ein allzu früh vollendetes Gesamtkunstwerk gewesen. Er schuf bleibend gültige Logos ebenso wie zeitbezogene Stückplakate und Schallplattencover, kümmerte sich sowohl um musikalische Projekte als auch um die Kunst des Theaters. Oft saß der mit seinen Arbeiten vielfach in internationalen Ausstellungen präsente Künstler in Jazzkonzerten, den Skizzenblock auf den Knien, einen Stift in der Hand, um Musiker wie Helmut Joe Sachse, Günter Baby Sommer und viele andere zu porträtieren.

Sie alle haben ihn überlebt. Wir behalten den stets fröhlichen wirkenden Jürgen Haufe in unserer Erinnerung. Anlässlich seines siebzigsten Geburtstags, den er in diesem Monat hätte begehen können, wird Jürgen Haufe von Samstag an die Ausstellung »Gegen die Stille« gewidmet. Sie ist bis Ende November in der Galerie Kunst am Elbufer zu sehen und zeigt Malerei und Grafik aus dem Nachlass des Künstlers.

Der Dresdner Kulturjournalist und Vollblut-Jazzfan Mathias Bäumel wird die Laudatio zu dieser Ausstellung auf Jürgen Haufe halten. Musikalische Reminiszenzen steuert der Kontrabassist Jonas Gerigk bei.

Auch zur am 24. November geplanten Finissage wird es Musik geben, die Jürgen Haufe gefallen und wahrscheinlich zu neuen Bildarbeiten animiert hätte. Mit Tilman Herberger (Keyboards), Uwe Neumann (Saxofon) und Uli Raupach (Drums) werden KeySax & Drums zu hören sein.

»Kunst gegen die Stille« – Malerei und Grafik von Jürgen Haufe
Vernissage am Samstag, 26. Oktober, 17 Uhr
Finissage am Sonntag, d. 24. November, um 16 Uhr
Galerie Kunst am Elbufer, Laubegaster Ufer 25, 01279 Dresden

Geöffnet Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr

24.10.2019Kolumnen