108 Jahre

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108 Jahre

Nun schreibt er auch noch! Seine Tage müssen, was viele Menschen sich wünschen, mindestens 36, wenn nicht gar 48 Stunden umfassen. Jedenfalls steckt der Dirigent Omer Meir Wellber in etwa dieses Pensum in die zwei mal zwölf regulären Tagesstunden hinein.
Der 1981 im israelischen Be’er Scheva geborene Musiker ist seit der Spielzeit 2018/19 Erster Gastdirigent der Sächsischen Staatsoper, trat soeben sein Amt als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra an und wird im Januar 2020 Musikdirektor des Teatro Massimo in Palermo.

Zukunftsmusik? Gewiss, aber mit einer stürmisch vielgestaltigen Introduktion. Omer Meir Wellber ist am Klavier, Akkordeon und Violine aktiv, komponiert seit frühester Jugend und hat als Dirigent längst eine Weltkarriere angetreten, die ihn zu den wichtigsten Orchestern und Opernhäusern geführt hat. Regelmäßig gastierte er an der Israeli Opera sowie den den führenden europäischen Bühnen von Berlin über Mailand, München, Venedig bis hin nach Wien. Im vergangenen Jahr debütierte er an der Met in New York, zuvor war er in der Nachfolge von Lorin Maazel Generalmusikdirektor des Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia. Zudem ist er ein gefragter Gast bei wichtigen Festivals wie den Wiener Festwochen und dem Lucerne Festival.

Darüber hinaus ist es dem ebenso begabten wie erfolgreichen Künstler ein Bedürfnis, sich für Menschen zu engagieren, die wesentlich weniger Lebensglück hatten und haben. So ist Omer Meir Wellber seit über zehn Jahren Music Director des Raanana Symphonette Orchestra, mit dem Zehntausende Kinder an die klassische Musik herangeführt werden. Als Mitbegründer und musikalischer Leiter des Projekts Sarab – Strings of Change verschafft er jungen Beduinen in der Negev-Wüste neue Perspektiven durch musikalische Ausbildung. Nicht zuletzt engagiert sich der ruhelose Musiker als Botschafter der Non-Profit-Organisation Save a Child’s Heart, die sich in Entwicklungsländern um die Ausbildung von Ärzten sowie um die Behandlung von aus solchen Regionen stammenden herzkranken Kindern kümmert.
Obwohl selbst noch jung an Jahren, unterstützt Omer Meir Wellber die Förderung künftiger Dirigentengenerationen mittels Workshops und Hochschulkursen.

Und nun schreibt er auch noch?
Neu ist das nicht. Bereits 2017 hat der bekennende Mozart-Liebhaber ein schmales Büchlein vorgelegt, das sehr originell die Zusammenarbeit von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo da Ponte beschreibt (»Die Angst, das Risiko und die Liebe – Momente mit Mozart«). Neu ist allerdings, dass sich Omer Meir Wellber nun auch als Belletristik-Autor erweist. Er hat die Geschichte des mit 108 Jahre ältesten Mannes von Israel aufgeschrieben. Der Roman »Die vier Ohnmachten des Chaim Birkner« wird im Herbst im Berlin Verlag erscheinen. Gut möglich, dass dieses Novum auch mit einer Buchpremiere in Dresden gebührend begangen werden wird.
Bis dahin wird der Erste Gastdirigent an der Semperoper jedoch erneut Mozarts »Le nozze di Figaro« dirigieren und die Neuproduktion »Le Grand Macabre« von György Ligeti leiten. Premiere ist am 3. November.

30.07.2019Kolumnen