Musikalische Osterbotschaften

Kolumnen

Musikalische Osterbotschaften

Und nach der Oper ins »Il Sole«. Nach den Konzerten sowieso. Für so manche Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle ist es zu den Osterfestspielen Salzburg eine feste Adresse. Der Chef begrüsst längst schon mit Handschlag und hat auch übers Jahr nicht vergessen, wer welchen Lieblingswein mag, kein Fleisch mag und die Gnocchi mit Salbei bevorzugt.

Im trauten Gewölbe am Fuße des Mönchsbergs kann dann trefflich darüber debattiert werden, wer heute an welcher Stelle vermeintlich zu laut oder zu langsam gewesen ist; irgendwas gibt’s halt immer. Und dann ist schon wieder was passiert (würde Wolf Haas dazu sagen). Vielleicht hat sich wer zu weit aus dem Fenster gelehnt?

Bis zum letzten Tropfen Grappa („der geht auf’s Haus“) ist freie Rede eine Disziplin. Wagners »Meistersinger« waren eine Meisterleistung, mit Meister-Sängern und zwei Meister-Sängerinnen noch dazu. Die Orchesterkonzerte? Kaum anfechtbare Großleistungen des Orchesters unter seinem Chefdirigenten Christian Thielemann sowie unter dem Gast Mariss Jansons, der in diesem Jahr den Herbert-von-Karajan-Preis erhielt. Exakt ein halbes Jahrhundert zuvor ist der Maestro eine Art Eleve des Großmeisters gewesen. In Salzburg! Dass er auch mal in Dresden zu Gast war, ist inzwischen lange her, daran erinnert sich kaum mehr ein aktives Orchestermitglied.

Apropos Erinnerungskultur: Allabendlich füllt ein internationales Publikum das Große Festspielhaus. Natürlich sind hier und da noch Erinnerungen an Berliner Philharmoniker präsent, in Ausnahmefällen sogar noch an frühe Konzertereignisse unter Herbert von Karajan, der die Osterfestspiele 1967 ja ins Leben rief. Vor allem aber gibt es regen Austausch über das Vorjahr und die vergangenen sechs Jahre, in denen die Sächsische Staatskapelle dieses Festival als Residenzorchester bestreitet.

Dass just diese fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Salzburg nun in den Sternen stehen soll, weil Christian Thielemann als Künstlerischer Leiter nicht mit dem in der Nachfolge von Peter Ruzicka angekündigten Intendanten Nikolaus Bachler zusammenarbeiten mag, wurde als Hauptthema der jährlichen Pressekonferenz im Sacher-Hotel erwartet. Aber Fehlanzeige. Weil ungelegte Eier sollen nicht gebraten werden. Auch nicht zu Ostern.

Statt dessen ging es um die nähere Zukunft. Kommendes Jahr wird Verdi auf Wagner folgen, »Don Carlo« auf »Die Meistersinger von Nürnberg«. Italiener kann Thielemann auch. Den »Sole«-Wirt wird’s freuen. Vera Nemirowa setzt das Ganze in eine Bibliothek. Klingt vielversprechend. Das Semperopern-Publikum kann beide Salzburger Neuproduktionen 2020 in Dresden erwarten.

Botschafter in Bogotá

Sächsische Musikkultur wird aber auch anderswo gepflegt und genossen. Ganz anderswo! Denn die Mitglieder des Dresdner Festspielorchesters sind zu ihrer ersten Auslandsreise gestartet und gastierten in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beim erst 2013 gegründeten Musikfestival, das aktuell unter dem Motto »Bogotá es Brahms, Schubert, Schumann« stattfand. Auf immerhin rund 2.600 Metern Höhe klangen die Altinstrumente absolut auf der Höhe der Zeit, brillierten mit Kompositionen der diesjährigen Namensgeber (in den Vorjahren war diese Biennale »Bogotá ist …« Beethoven, Mozart und der russischen Romantik gewidmet.

Das Festspielorchester, gegründet als klingender Sendbote der Dresdner Musikfestspiele, ist zwar schon in Berlin und in Hamburg botschaftend zugange gewesen, das erste Auslandsgastspiel hat nun aber gleich die sogenannte Alte und Neue Welt miteinander verbunden. Und wie! Drei Konzerte im Teatro Mayor unter wechselnden Dirigenten, eines davon mit Jan Vogler als Saiten-Sänger im Schumann-Cellokonzert – vom aufgeschlossenen Publikum in Bogotá überaus gefeiert (wofür es eine Bach-Zugabe des Solisten und später einen ungarischen Brahms-Tanz vom Orchester erhielt), es hat die Botschafter-Rolle höchst würdig wahrzunehmen gewusst.

20.04.2019Kolumnen