Echo im Eimer

Kolumnen

Echo im Eimer

Mit künstlerischer Qualität hatte er nur selten etwas zu tun: die Kastelruther Spatzen, Helene Fischer sowie die Klazz Brothers sind damit schon aufgefüttert worden. Aber auch ernsthafte Interpreten und Ensembles konnten sich nicht dagegen wehren, denn: der Echo ist lediglich Ausdruck für wirtschaftliche Erfolge, vulgo Umsatz. Deswegen ist der vermeintliche Preis ja auch eine regelmäßig ausgeschüttete Vergabe von der Deutschen Phono-Akademie, und die wiederum ist als eingetragener Verein nichts anderes als die Interessengemeinschaft der Tonträger-Industrie.

Eine solche Institution muss offenbar nicht auf Inhalte, sondern nur auf Verkaufszahlen achten. Da geht es bekanntlich um die geistige Tiefe (oder Höhe) von Krämerseelen. Daher landete in diesem Jahr auch ein garstiger Titel menschenverachtenden Inhalts auf der Preisträgerliste – Ausdruck einer auch gesellschaftlichen Fehlentwicklung. Denn ein aufgeklärtes Volk würde solche Rap-Auswüchse, wie sie auf dem Album »Jung, brutal, gutaussehend 3« zu hören sind, mit Verkaufszahlen abstrafen, die gegen Null gingen.

Bereits im Vorfeld hatte das Internationale Auschwitz-Komitee gegen die Auszeichnung der stupide textenden Rapper protestiert, blieb aber unerhört. Immerhin gibt es nun im Nachgang ein wachsendes Echo auf diesen Echo: Künstler wie der Pianist Igor Levit und der Dirigent Enoch zu Guttenberg waren die Ersten, die ihren Preis aus Protest zurückgegeben haben; Fabio Luisi folge nur wenig später. Inzwischen hat sich eine ganze Reihe wacher Zeitgenossen angeschlossen. Das dürfte, nein sollte der Anfang vom Ende dieses Wirtschaftswunders namens Echo sein.

Gestern haben sich nun auch die Sächsische Staatskapelle sowie deren Chefdirigent Christian Thielemann den Protesten angeschlossen: „Ein Preis, der Verkaufszahlen über alles stellt und am Holocaust- Gedenktag einem Live-Auftritt stattgibt, der einer Verhöhnung von Opfern des Dritten Reiches gleichkommt, wird zum Symbol eines Zynismus, für den wir nicht stehen. Kunstfreiheit und das künstlerische Mittel der Provokation entbinden zu keiner Zeit von Verantwortung und den Regeln des guten Geschmackes. Das betrifft die Künstler, hier jedoch auch die Verleiher des ECHO-Preises. Die Sächsische Staatskapelle distanziert sich in aller Deutlichkeit von diesem Preis.“ Die Staatskapelle hat nun also exakt jenen (damals gemeinsam erhaltenen) Preis retourniert, der schon von Luisi vor ein paar Tagen zurückgegeben wurde. Und Chefdirigent Christian Thielemann schließt sich mit der Rückgabe seines ECHO-Preises von 2004 der Haltung seines Orchesters an.

Ein gutes, ein beispielhaftes Zeichen, das unbedingt nachhallen sollte.

21.04.2018Kolumnen