Trommeln gegen Trump

Kolumnen

Trommeln gegen Trump

Wirrköpfe und ihre Gefolgsleute lassen sich mit Musik ganz gewiss nicht aufhalten. Wenn aber Künstlerinnen und Künstler mit ihren Ideen und Aktionen den vermeintlichen Demokraten und Demokratien den Spiegel vorhalten, erkennen diese – im günstigsten Falle – sich selbst. Ob sie von dieser Einsicht geblendet sind (oder womöglich erleuchtet?), bleibt abzuwarten. Womöglich schließen sie, da für Widerspruch meist ohnehin vollkommen blind, die geldgeilen Augen und betreiben ihre Geschäfte so weiter wie stets.

Es ist ein Menschenrecht, sich frei zu entfalten, frei zu denken, sich frei zu bewegen. Seit Jahrtausenden wird dies von orthodoxen Partei- und Religionspolitikern in Frage gestellt, von Patriotenidioten gewaltsam bekämpft. Just im „Mutterland der Demokratie“, vulgo: „God’s own country“, werden derartige Freiheiten massiv unterdrückt. Seit dort die neue Trampel-Diktatur im Namen der Trump-Tower ausgebrochen ist, geschieht dies mit „republikanischer“ Duldung in erstaunlicher Unberechenbarkeit. Womöglich ist die Grenze zur Unzurechnungsfähigkeit längst überschritten? Oder gar unterwandert?

Grenzsituationen sind den Dresdner Sinfonikern bestens bekannt. Erinnert sei nur an deren Engagement in Sachen des türkischen Völkermordes an den Armeniern im Jahre 1915. Ein diesbezügliches Konzert, das im vergangenen Jahr in der bundesdeutschen Botschaft von Istanbul stattfinden sollte, wurde aus feiger Rücksichtnahme auf eine mehr schädliche denn wertlose Bündnispolitik abgesagt. Mehr und mehr erkennen auch deutsche Parteisoldaten, welchem Wirrkopf sie da geliebedienert haben, und distanzieren sich Stück für Stück von der erdoganischen Selbstherrlichkeit. In Sachen Donald Duck und Dagobert Trump erfolgte dieser Lernprozess erstaunlicherweise viel schneller.

Wenn die Dresdner Sinfoniker nun heute unter dem Motto „Tear down this wall“ an der Grenze zwischen den USA und Mexiko auftreten wollen, erinnern sie einerseits an den Spruch eines abgehalfterten Schauspielers, der an der Berliner Mauer in Richtung Moskau appellierte, „Mister President, tear down this wall!“, und mahnen andererseits, die vielen neuen Grenzanlagen überall auf der Welt – insbesondere auch die rings um Europa – nicht hinzunehmen. Der vom aktuellen Präsidenten-Darsteller verfolgte Plan, das gesamte Grenzgebiet der USA zu Mexiko mit einem neun Meter hohen Stahlzaun zu bewehren, schreit in seiner perversen Menschenverachtung zum Himmel und düpiert selbst konservative „christliche“ Europa-Politiker, denen unmenschliche Abschottung sonst über alles geht.

Folglich ist das für heute geplante Konzert nicht nur ein Appell gegen die zynische Abschottungspolitik der Vereinigten Staaten, die ja das Eroberungs- und Einwanderungsland schlechthin verkörpern, sondern gegen jedwede künstlichen Konstrukte, die Menschen von Menschen fernhalten sollen.

In der geteilten Pazifikregion zwischen Tijuana und San Diego wurden von US-Behörden bereits Auftrittsverbote verhängt. Umso größer wurde jedoch das Protestpotential. Inzwischen ist Amnesty International ein fester Projektpartner dieser Aktion und wird dazu aufgerufen, in aller Welt Signale gegen Abschottung, Nationalismus und Fanatismus zu setzen. Wo auch immer es wache und mitdenkende Menschen gibt, sollten sie mitmachen, mit Musik, Tänzen, Gedichten oder sonstigen Unternehmungen am Samstag dabei zu sein, wenn es von Mexiko aus heißt: „Tear down this wall!“

Über den gleichnamigen Hashtag #teardownthiswall sollten die Fotos und Videos geteilt werden, damit sie von den Dresdner Sinfonikern über den Twitter-Account twitter.com/DresdenSymphony sowie auf der Webseite www.tear-down-this-wall.org geteilt werden können.

03.06.2017Kolumnen