Sein Leben mit Wagner

Kolumnen

Sein Leben mit Wagner

thielemann-wagner1Und plötzlich geht es mit dem Brückenschlagen zwischen Leipzig und Dresden ganz einfach. Völlig frei von Missgunst, Neid und Konkurrenz zwischen bürgerlicher Bewegtheit und residenzstädtischem Stillstand. Wagner machts möglich! Der war ja auch schon in beiden Städten zugange. 1813 in Leipzig geboren und 1849 als Hofkapellmeister aus Dresden geflohen.

Seinen Schatten wirft der Dichter-Komponist nicht nur am Leipziger Ring vom hölzernen Balkenhol-Denkmal, sondern auch dank der regen Arbeit des Richard-Wagner-Verbandes seiner Geburtsstadt. Diesmal reicht er bis an die Elbe, der Schatten. So lichtvoll wie nie. Und bis an die Spree, respektive die Havel. Ein leuchtendes Beispiel. Denn der in Dresden als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle wirkende und in Potsdam lebende Berliner Christian Thielemann erhält in diesem Jahr den Richard-Wagner-Preis der Leipziger Richard-Wagner-Stiftung. Thomas Krakow, rühriger Stiftungsvorsitzender, würdigte Thielemann als „herausragendsten zeitgenössischen Wagner-Dirigenten“, der in seiner Person „derzeit das tiefste Verständnis und die höchste künstlerische Kompetenz in Sachen Richard Wagner“ vereine. „Wir möchten den Entwicklungsweg des Dirigenten zu Richard Wagner und seine nie endende Durchdringung des Leipziger Komponisten würdigen. Dass uns das gerade im Jahr 2015 und damit zum 1000-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung Leipzigs gelingt, freut uns ganz besonders.“

Damit ist gewiss kein Seitenhieb auf Dresden gemeint, von dem während der ersten beiden Leipziger Jahrhunderten ja noch gar keine Rede war und das kritische Zeitgenossen noch heute als „das Potsdam von Leipzig“ bezeichnen. Nein, Wagner schlägt Brücken und Thielemann bekommt Ende Mai an der Pleiße den mit 10.000 Euro verbundenen Preis. Damit tritt er die Nachfolge von Ewa Michnik an, die sich als Intendantin der Oper Wroclaw sowie als Dirigentin ebenfalls sehr um Wagner verdient gemacht hat.

Musik in Dresden gratuliert zur Initiative der Leipziger Wagnerianer; bis nächsten Freitag,

Michael Ernst

08.03.2015Kolumnen