Schwäne sterben, Köpfe rollen

Kolumnen

Schwäne sterben, Köpfe rollen

Es begann mit dem Hausschwamm. Er fraß sich ins Gebälk und wurde in den späten neunziger Jahren entdeckt. Im Lohengrin-Haus, dem früheren Großbauerngut, das dem Wagnerpaar Minna und Richard im Sommerurlaub als Unterschlupf diente. Richard tat die Landluft gut, der »Lohengrin« nahm Gestalt an. Viel, viel später war aus der einzig gebliebenen authentischen Wagner-Absteige in unserem Einzugsgebiet ein Memorial geworden. Kustos Christian Mühne wachte über das kleine Museum, dessen Besucher, die über Dresden touristische Ostgrenze Pillnitz hinaus nach Graupa gefunden hatten, er noch per Handschlag begrüßen konnte.

Mühne, vom Schwamm verschreckt, schlug Alarm. Der Ruf schallte bis ins kommunale Herz Pirnas, dorthin war das frühere Groß-Graupen als Ortsteil eingemeindet worden. Der Rat Pirna fasst im Jahr 2006 tapfer den ‚Richard-Wagner-Stätten‘ Grundsatzbeschluss, das Lohengrin-Haus und das Jagdschloss zu sanieren und museal für ‚Richard Wagner in Sachsen‘ herzurichten. Geld dafür war aber erst mal nur für die Wagner Absteige da. Christian Thielemann wird später sagen: „ich bin begeistert, dass man hier so viel investiert hat“ und einen Schirmherrschaft-Schirm annehmen (unter den er bis heute noch nicht geguckt hat).

Das Lohengrin-Haus wurde mit einer erneuerten Dauerausstellung 2009 wiedereröffnet. Doch da war ein Kulturmanager-Löwe, pardon: Gabriele Löwe-Kamella als Chefin der Kultur und Tourismus Pirna GmbH (KTP), in der die ‚Wagner-Stätten-Graupa‘ angesiedelt sind, bereits amtseingeführt. Und aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes flossen Mittel, so dass auch der Ausbau des Schlosses beginnen konnte. Insgesamt 6,2 Millionen Euro hat Pirna bis zur Eröffnung später Januar 2013 dafür aufgebracht. Nur eines war bald nicht mehr da, das Schwanenpärchen vom Teich am Schloss. Gottfried, der Nachfolger von Moritz, der zwanzig Jahre lang in Graupa gelebt hatte, starb unerwartet; Elsa verletzte sich bei einem Flugversuch und musste eingeschläfert werden. 

Nun wird’s noch wagnerianischer. Die Ära Löwe endete bald, gefolgt 2010 kommisarisch von Matthias Armbruster, der auch der Stadtbaugesellschaft Pirna vorsteht. Weiter ging’s interim, von 2011 bis 2012 mit Jürgen Scheible, Chef der Wohnungsgesellschaft Pirnas. Oh Götter, wer hat dies Libretto ersonnen? Bis endlich René Schmidt, versiert aus der Coswiger Börse und dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt, phönixgleich anflog, begeistert aufgenommen ward und dauerhaft, so schien’s, ab Januar 2013 Verantwortung über Pirnaer Kultur und Tourismus übernahm. Fünf Baustellen hatte er dort unter sich, eine davon die Wagner-Stätten Graupa. Viel gibts zu tun: Schmidt strukturiert um, spart Stellen ein. Sabine Saft, 2012 als Teamleiterin Richard-Wagner-Stätten eingestellt, muss gehen – im gegenseitigen Einverständnis. Schmidt zieht die Graupa-Leitung ab 1. April 2013 direkt an sich. Und bleibt die ganze Zeit Theater-Geschäftsführer in Lauchstädt. Kam‘s wie es kommen musste? Vorgestern verlautete aus Pirna: es wird ein neuer KTP-Geschäftsführer gesucht – Vertragsauflösung von René Schmidt zum 30. April des Jahres, "im beiderseitigen Einvernehmen". René Schmidt, bat aus persönlichen Gründen um Aufhebung seines Arbeitsvertrages. 

Schwäne sterben, Köpfe rollen. Ach, Wagner, deine Kopfbüste auf der Stele vor dem Schloss, wenigstens die sitzt fest.

13.02.2014Kolumnen