Von Copenhagen Hoedown zum Albtraum einer Nightmare Polka

Rezensionen

Von Copenhagen Hoedown zum Albtraum einer Nightmare Polka

Mit dem American Café Orchestra am 29. April im Kunsthof Orth in Quohren bei Kreischa bei Dresden.
Fast scheint es, als sei dieser Saal auf Musik aus Skandinavien abonniert, doch allein diese drei Konzerte ließen erkennen, wie unterschiedlich die Annäherung an internationale Folk Music ausfallen kann.

Foto / Abb.: Claudia Knepper

Diesmal gastierte das American Café Orchestra, das sich nach 1980 unter diesem sonderbaren Namen gründete und keinesfalls amerikanische Honky-tonk-Musik spielte, sondern zunächst mit internationalem Folk aus Ungarn, Amerika, Dänemark und Schweden begann und sich allmählich von den tradierten Vorbildern löste. In der aktuellen Besetzung mit Ruthie Dornfeld, Geigerin aus Seattle, Washington/USA, Morten Høirup, Gitarrist aus Kopenhagen (auch bekannt als Teil des Duos Haugaard + Høirup) und Tapanis Varis, Multiinstrumentalist aus Helsinki, spielte dieses Trio bis auf einen Titel aus befreundeter Feder ausschließlich eigene Stücke, die vom skandinavischen Folk zwar beeinflusst sind, sich aber klanglich durchaus avantgardistischen Tendenzen öffnen, wie in Bell oder der Nightmare Polka, zugleich das Titelstück der neuen CD.

Dabei lassen sich alle drei Musiker oft von kleinen Erlebnissen oder Alltäglichkeiten inspirieren, wie „Grey Brothers Holiday“, das vom Blick aus dem Hotel auf ein ehemaliges Kloster in Copenhagen beeinflusst ist, oder von der Erinnerung an ein Lied des Vaters, der im Schaukelstuhl sitzend sein Kind in den Schlaf sang. Frau Dornfeld griff hin und wieder zur Fiedel, der mittelalterlichen Vorläuferin unserer modernen Violine, und entlockte ihr in zwei eigenen Kompositionen beschwingte Klänge. Varis griff zur Maultrommel, zu einer kleinen Gitarre und handhabte virtuos eine Obertonflöte, ein Rohr ohne Grifflöcher, das gleichwohl die Töne einer Naturtonreihe in sich hat.

So ergab sich in den ca. 20 Titeln ein Bild vertrauter und doch auch immer wieder neuer Klänge, die z. T. rhythmisch sehr ausdifferenziert waren und manchen Zuhörern tüchtig in die Beine gingen.

Quohren war die letzte Station einer ersten Deutschland-Tournee des Trios, die in Solingen begann, über Oldenburg und Minden hierher führte und in Dänemark, z. B. in Swendborg und Roskilde, beendet wird.

Der Kunsthof Orth ist nicht nur ein gut geeigneter Saal für Musikanten, sondern seine Wände bieten immer wieder bildenden Künstlern Platz, ihre Werke auszustellen. So waren diesmal Gemälde und Zeichnungen des Kreischaer Kunsterziehers und Malers Ekkehard Schneider zu sehen, von denen hier die Quohrener Kipse, jene Erhebung zu sehen ist, die man wahrnimmt, wenn man während des Konzertes mal aus dem Fenster schaut.

01.05.2012Rezensionen