Drei spielfreudige Vier

Rezensionen

Drei spielfreudige Vier

Die Semperoper sei doch definitiv der schönste Ort, an dem das "Trio Joubran" je auftrat, schwärmte Samir Joubran zu Beginn. Eingeladen hatten sich die drei aus Palästina stammenden Brüder Samir, Wissam und Adnan dazu den Perkussionisten Yousef Hbeisch, der einen Mix aus arabischem und europäischem Schlagwerk virtuos mit Händen und Füßen bedient.

Foto: Matthias Creutziger

Die Hauptrolle aber spielte am Sonntag Abend die Oud, eine arabische Laute mit bauchigem, oft reich verzierten Korpus. Wissam Joubran, in Cremona zum Instrumentenbauer ausgebildet, hatte drei ganz verschieden klingende Exemplare für sich und seine Brüder hergestellt, und folgt damit in den Fußstapfen des Vaters, eines bekannten Instrumentenbauers. Gemeinsam ließen die Brüder ihre Ouds erklingen, wobei die Rollen fest verteilt waren: dem jüngsten Spross sind die ungefährlichen Begleitfiguren auferlegt, während Samir und Wissam sich die immer virtuoser werdenden Improvisationen hin- und herwerfen.

Eine ganz neue Sparte zeitgenössisch arabischer Volksmusik ist mit dem Oud-Trio geschaffen; auf einer neuen CD wurden Titel wie "Zawâj El Yamâm" oder "Masâna" vereint und sorgen für einen weiteren Bekanntheitsschub. Auch für zentraleuropäische Ohren eingängig sind diese mit Improvisationen aufgelockerten Instrumentalstücke, die ja teilweise auch auf hierzulande bekannten Melodien wie etwa Isaac Albéniz‘ "Asturias" fußen. Hie und da tritt Samir Joubrans Stimme hinzu; sogar das Publikum sang und klatschte nach sanfter Ermutigung mit. Begeisterte, stehende Ovationen, farbige Zugaben und das schöne Gefühl, wieder eine ganz neue musikalische Welt für sich entdeckt zu haben – wer wollte das den Dresdnern vorenthalten? Das volle Haus am Sonntag sollte als ein gewichtiges Argument herhalten dürfen, um der von Matthias Creutziger organisierten Jazz-Reihe wieder etwas mehr Planungssicherheit zu geben.

Nächstes Konzert der Reihe "Jazz in der Semperoper": 20.2.2012, 21 Uhr, Tomasz Stanko Quintet

Eine Textfassung des Artikels ist am 13. Dezember in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

17.12.2011Rezensionen