Sächsische Akademie der Künste warnt vor dem Verlust des Kulturpalastes als Multifunktionsstätte

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Sächsische Akademie der Künste warnt vor dem Verlust des Kulturpalastes als Multifunktionsstätte

Alle Weltstädte haben für ihre Orchester Konzerthäuser, Tokio davon gleich 105. Und das mit 75.000 Einwohnern vergleichsweise kleine Luzern am Schweizer Vierwaldstätter See leistet sich seit 1998 ein Kulturzentrum mit einem der besten Konzertsäle der Welt, das mit eigenen, Gastspielen von Weltorchestern und Festivals jährlich 200.000 Besucher in die Stadt holt. So zählte es der Dirigent Hartmut Haenchen bei einer Podiumsdiskussion auf, zu der die Sächsische Akademie der Künste am 15. Oktober 2009 in das Blockhaus eingeladen hatte.

Professor Udo Zimmermann, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste erklärte dazu: „Mit dem ganzen Gewicht der 141 Mitglieder sprechen wir uns für den Bau eines eigenständigen Konzerthauses an prominenter Stelle in Dresden für die beiden Spitzenorchester Staatskapelle und Philharmonie aus. Zugleich wenden wir uns gegen den Umbau des Kulturpalastes und warnen vor dem Verlust dieses Veranstaltungsortes als Multifunktionsstätte auch für Populärkultur.“

Wolfgang Kil, Sekretär der Klasse Baukunst der Akademie, ergänzte, es sei ein Unding, die Substanz des Kulturpalastes zu opfern, denn nur vollständig, mit der markanten Außengestalt und innen behutsam restauriert, bleibe er ein Kulturdenkmal aus der inzwischen als bedeutsam angesehenen Bauepoche der Nachkriegsmoderne. Das letzte Kulturhaus nach Abriss des Palastes der Republik, sagte Kil, gelte es zu bewahren. 

Fakt ist, dass die Stadt nach dem Beschluss des Stadtrates im Juli 2008 plant, den Festsaal zu einem reinen Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie umzubauen – denn Fabio Luisi, Generalmusikdirektor der Staatskapelle, bekräftigte mehrmals, sein Orchester werde dort nicht spielen. Das Kabarett Herkuleskeule und die Stadtbibliothek sollen mit ins Haus ziehen. Für den Konzertsaal liegt auch schon ein Entwurf eines Architektenwettbewerbs der Preisträger Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, vor. Dessen Akustik bedarf jedoch noch einer Vorprüfung, und seine Ausführung ist mit Risiken behaftet.

Über diese Risiken sprach Professor Ulrich Bauch (Kaiser Baucontrol Ingenieurgesellschaft), der in einem Gutachten auf Umbaukosten mit Risikozuschlag von 84,5 Millionen Euro kommt. Weitere 33 Millionen seien zu veranschlagen für eine adäquate Ersatzspielstätte für die ‚heitere Muse’, denn rund 80 Prozent solcher Veranstaltungen wären im umfunktionierten Kulturpalast nicht mehr möglich. Das bestätigte der Veranstalter Bernd Aust in seinem emotionalen Redebeitrag: „Seit 40 Jahren spielen wir mit meiner Band Electra im Festsaal, nach dem Umbau wären wir aus dem Kulturpalast vertrieben.“

Für eine Konzerthalle mit Kammermusiksaal errechnet Bauch 113 Millionen Euro einschließlich Grunderwerb. Für die Sanierung des zu erhaltenden multifunktionalen Kulturpalastes setzt er 30,4 Millionen an. Und nur ein Vergleich von Varianten mit gleichem Nutzungsgehalt, wie Bauch es sachlich nennt, ist reell.

Ex-Baubürgermeister Gunter Just brachte den stadtbaulichen Gewinn ins Gespräch. „Mit einer Philharmonie in außergewöhnlicher, neuer Architektur, die leuchtet, auf einer der vielen Brachen, die wir noch haben, sei es an der Elbe vis a vis Blockhaus, sei es am Postplatz. Das braucht Dresden für sein Image, nach außen, für den Tourismus – dringend!“ Zwingend sei es auch, beiden Orchestern ein ihrem Rang angemessenes und ihre Qualität steigerndes Haus zu geben. Und damit auch den tradierten Musikruf Dresdens und Sachsens mit einer 460 Jahre durchgängig musizierenden Kapelle auch in Zukunft zu sichern.

Beide Orchester unter einem Dach – Professor Wilfried Krätzschmar, Ex-Rektor der Hochschule für Musik Dresden, setzte sich dafür ein. „Sie haben das in der Geschichte ja schon gehabt, Befindlichkeiten dürfen da keine Rolle spielen“, verlangt er das Zusammengehen der beiden Träger Stadt und Freistaat.

Im Resümee des Podiums wie aus dem Publikum des vollbesetzten Saales ging daher auch quasi als Auftrag an die Akademie, die Oberbürgermeisterin der Stadt, die zuständige Landesministerin, die Orchestervorstände und die bürgerschaftliche Interessengruppe Konzerthaus schnellstens an einen Tisch zu bringen. 14.000 Dresdner haben schon für den Erhalt des Kulturpalastes in seiner jetzigen Nutzungsform gestimmt. Dresden braucht ein Konzerthaus.

(Foto: M. Creutziger)

17.10.2009Allgemein