Ein Student, eine junge Familie, ein älteres Ehepaar, die gemeinsam auf dem Bürgersteig vor ihrem Mietshaus frühstücken und schwatzen: Nur einen Katzensprung von der Semperoper entfernt war am Wochenende in der Dresdner Neustadt jene so ungekünstelte Stimmung zu erfühlen, die Kurt Weill für seine New Yorker "Straßenszene" imaginiert haben muss.
Rezensionen
Einmal im Jahr, zu Pfingstsonntag, sollte man die Mittagstafel pünktlich aufheben und von Dresden aus Richtung Rochlitz nach Wechselburg fahren. In der zwischen 1160 und 1180 erbauten Basilika und Pfarrkirche „Zum Heilig Kreuz“ findet seit nunmehr dreißig Jahren regelmäßig ein Pfingst-Konzert der Capella Fidicinia statt.
Ingeborg Schöpf gab die Diva Angèle mit einigen spitzen Obertönen, Michael Heim den »Grafen von Luxemburg« mit kräftigem Tenor: am Freitag hatte das Werk in der Staatsoperette Premiere. Bei allem sängerischen Feuer und einer wahrlich opulenten Ausstattung: ein bisschen behäbig lief das Werk an, und die Dialogszenen blieben bis zum Ende zäh.
Ein Vierteljahrhundert ist sein letzter Besuch in Dresden her; dementsprechend herzlich rauschte der Willkommens-Applaus für Maurizio Pollini am Wochenende. Der Pianist hatte vor Jahresfrist mit Christian Thielemann in München konzertiert und mit dem anmutigen Mozart-A-Dur-Konzert KV 488 Ovationen eingeheimst – nun war er wieder in der Semperoper zu Gast.
Zwischen den Zeilen zu lesen galt es früher, wollte man künstlerische Kernaussagen eines Abends erhaschen. Solcherart geübte Dresdner hatten keine Mühe, die Programmierung des Abschiedskonzerts von Rafael Frühbeck de Burgos richtig zu deuten. Der Text des Hans Sachs war es, der aus Frühbecks siebenjähriger Amtszeit nun für immer nachklingt: "Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst…"
Längst überfällig schien – nach der thematischen Neuausrichtung des Musikfestspielpreises durch Jan Vogler – die Auszeichnung dieses wegweisenden Programms. Nun wurde der mit 25.000 Euro dotierte Preis an Orchester und Chefdirigenten feierlich ausgereicht. Rattle und die Berliner bedankten sich mit einem Abend, den keiner der Hörer so schnell vergessen wird.
Stille. Finsternis. Spärlich beleuchtet ein überdimensionales S auf der Bühne. Es könnte auch ein angedeutetes Yin-Yan-Zeichen sein. Aus goldenem Reis. Den hört man rieseln. Doch dann entfacht das Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan mit „Songs of the Wanderers“ ein Feuerwerk in Hellerau.
Am Anfang war das Feuer. Der Rest ist bekannt: Wo Licht ist, fällt auch Schatten. Seit Jahrtausenden tümmeln sich Zweibeiner um brennende Stätten, genießen die Wärme, kommen ins Kuscheln – und schon ist sie da, die Überbevölkerung der Welt. Ach ja: Lagerfeuer taugen nicht nur für Gitarre, Techtelmechtel und Singsang, es lässt sich auch allerlei Getier darüber rösten. Im Zweifelsfall wird wegen der höheren Effizienz diverses Mordgerät am Feuer geschmiedet. Und damit sind wir auch schon beim Waffenschmied. In diesem Fall: Bei einer Empfehlung für die Musikalische Komödie Leipzig.
Als vor anderthalb Jahren die "Mariza" an der Dresdner Staatsoperette Premiere hatte, lobten die Kritiker die treffenden Kommentare zur aktuellen Finanzkrise. Nun hat Axel Köhler seine Inszenierung nach Halle exportiert – und augenscheinlich kaum aktualisiert. Wie schnell Inszenierungen nicht mehr aktuell sind, wunderten sich die Nachwuchskritiker im Gespräch am Hallenser Institut für Musik – drei haben ihre Texte an »Musik in Dresden« gesendet.