Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Reiner Zimmermann, der am 4. März 2026 im Alter von 84 Jahren verstarb. Mit ihm verliert die sächsische Kunst- und Kulturlandschaft eine prägende Persönlichkeit, deren wissenschaftliches Wirken, kulturpolitisches Engagement und unermüdlicher Einsatz – die letzten 20 Jahre für die Erforschung und Erschließung der Alten Musik in Dresden – über Sachsen hinaus gewirkt haben.

Reiner Zimmermann wurde am 27. November 1941 in Thüringen geboren. Nach dem Abitur 1960 ging er nach Leipzig, um an der dortigen Karl-Marx-Universität Musikwissenschaft und Kunstgeschichte zu studieren. Im Anschluss an sein Diplom 1965 begann Reiner Zimmermann seine Tätigkeit als Musiklektor, zunächst im Deutschen Verlag für Neue Musik, dann bei Edition Peters in Leipzig. 1968 promovierte er bei Heinrich Besseler über den „Begriff des Sinfonischen in den Kammersinfonien des 20. Jahrhunderts“.
1979 übersiedelte er mit seiner Familie nach Dresden, wo er am Aufbau der Edition-Peters-Filiale für zeitgenössische Musik maßgeblich beteiligt war. 1986 begann er seine Arbeit als Musikdramaturg bei den Dresdner Musikfestspielen. Daneben entstand die 1991 erschienene „Biografie nach Dokumenten“ über Giacomo Meyerbeer, ein wegweisendes Werk über den lange Zeit verunglimpften und fast in Vergessenheit geratenen Opernkomponisten (2., verbesserte Auflage 2014).
Nach der friedlichen Wiedervereinigung wurde er 1991 durch den Minister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen, Prof. Hans-Joachim Meyer, zum Abteilungsleiter Kunst berufen. Als Wegbereiter für die zum Teil bis heute geltenden Strukturen in der sächsischen Kulturlandschaft gehörte er zu jenen Menschen, die sichtbare Spuren hinterlassen haben. Staatsminister Meyer schrieb 2016 in Erinnerung an die gemeinsame Zeit im Ministerium: „In der Tat war die fachliche Kompetenz des Leiters der Abteilung Kunst unbestreitbar“. Es galt zu erneuern und zu bewahren – ein Drahtseilakt für die vielseitige sächsische Kulturlandschaft und ihre Einbettung in das gesamtdeutsche Netz kultureller Förderung. Sachsen sollte national und international sichtbar sein, aber auch dem kulturellen Reichtum in den Kommunen und Landkreisen Rechnung tragen. In diesem weiten Aufgabenkreis war die Amtsbezeichnung „Ministerialdirigent“ treffend, führte er doch die Kulturpolitik wie ein Dirigent zu einem gemeinsamen Klang zusammen.
2002 hatte er seinen Lebensmittelpunkt ins Dresdner Umland nach Quohren bei Kreischa verlegt und hinterließ auch dort musikalische Spuren: Er leitete drei Jahre lang die Frauenkantorei und gründete einen Madrigalkreis, der mit seinen Konzerten das kulturelle Leben im Ort bereicherte. Im Ruhestand (ab 2004) war er weiter als Autor und Herausgeber tätig. Seit 2015 wirkte er an der Weiterführung des Wiederaufbaus des Dresdner Residenzschlosses mit. Er leitete die Gestaltungskommission für die Rekonstruktion der Paraderäume im Westflügel und setzte sich unermüdlich für die Wiederherstellung der Schlosskapelle als Raum musikalischer Aufführungen – insbesondere der Werke von Heinrich Schütz – ein. Er war glücklich, die Einweihung dieses architektonischen und akustischen Kleinods im November 2025 noch erleben zu dürfen.
Auch in jüngerer Zeit legte er Bücher vor, in denen er seine Erfahrungen und Erinnerungen festhielt und dokumentierte: „Die Paraderäume Augusts des Starken im Dresdner Schloss: Von der Einrichtung 1719 bis zur Rekonstruktion 2016–19“ und „Mehr SEIN als SCHEINEN: Kulturpolitik in Sachsen nach 1990“ (beide erschienen im Donatus-Verlag, 2020 bzw. 2022).
Wirken für die Alte Musik in Dresden
Im Jahre 2006 ist er Mitbegründer und Vorsitzender des „Instituts zur Erforschung und Erschließung der Alten Musik in Dresden (Musikschätze aus Dresden) e.V.“ Das Institut – zeitweilig An-Institut der Technischen Universität Dresden – gibt Werke der Dresdner Musikkultur von der Spätrenaissance bis zur Frühromantik neu heraus. Reiner Zimmermann prägte von Anfang an als spiritus rector maßgeblich die Ausrichtung des Instituts mit. Mit Leidenschaft und ehrenamtlichem Idealismus widmete er sich nicht nur der editorischen Erschließung historischer Quellenbestände, die vor allem in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) liegen, sondern ihm war es zudem ein großes persönliches Anliegen, dass die Musik in Aufführungen und Einspielungen wieder lebendig wird. Eine langjährige Zusammenarbeit mit vielen Musikwissenschaftlern und Herausgebern für die „Denkmäler der Tonkunst in Dresden“ war äußerst fruchtbar. Die Werke wurden und werden vom Verlag Ries & Erler veröffentlicht.
Mit seinem Tod verliert das Institut eine prägende Persönlichkeit, einen engagierten Vorsitzenden und hochgeschätzten Ratgeber. Sein Einsatz für die Erforschung und Erschließung der Dresdner Musiküberlieferungen wird unvergessen bleiben. Das Institut wird Dr. Reiner Zimmermann ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken gelten seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.
Der Vorstand
Institut zur Erforschung und Erschließung der Alten Musik in Dresden (Musikschätze aus Dresden) e.V.