Opernfinale (2)

Kolumnen

Opernfinale (2)

Die Semperoper hat sich in die Sommerpause verabschiedet. Vorher gab es das letzte Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle zu hören sowie zweimal die jüngste Neuinszenierung „Oedipus Rex“ und „Il prigioniero“ von Igor Strawinsky und Luigi Dallapiccola zu sehen. Mit dieser Doppelpremiere hat sich Wolfgang Rothe aus seinem Doppelamt als Kaufmännischer Geschäftsführer und Interims-Intendant verabschiedet, das er nach dem Tod von Ulrike Hessler im Sommer 2012 für eine Übergangszeit übernehmen und nach der noch vor dem geplanten Amtsantritt erfolgten Kündigung von Serge Dorny 2014 verlängern musste. Eine Übergangszeit also, die immerhin sechs Jahre gewährt

Rothe blickt stolz und zufrieden darauf zurück, „weil wir viele von den Dingen, die wir uns vorgenommen hatten, auch tatsächlich realisieren konnten.“ Immerhin kann er für die zurückliegende Spielzeit 93 Prozent Auslastung bilanzieren; ein feines Indiz für diese Zufriedenheit. Um das zu erreichen, musste sich Wolfgang Rothe sowohl um die Zahlen als auch um die Kunst kümmern. Aber er meint: „Wer mich ein bisschen kennt, weiß auch, wenn ich mich auf etwas einlasse, dann immer mit ganzem Herzen tue und vor allen Dingen mit dem ganzen Kopf.“
Offenbar weiß das auch Eva-Maria Stange, die sächsische Ministerin für Wissenschaft und Kunst: „Herr Rothe hat in einer wirklich schwierigen Zeit die Intendanz übernommen, eine großartige Leistung. Es ist ihm gelungen, die Semperoper trotz dieser schwierigen Situation einerseits in ruhigem Fahrwasser zu halten, was ja bei so einem großen Haus nicht selbstverständlich ist, und andererseits Sorge dafür zu tragen, dass sie ihrem Ruf als internationales Haus auch gerecht wird, also auch eine überregionale Qualität liefert.“

Für diesen Anspruch musste Wolfgang Rothe durchaus den einen oder anderen Lernprozess durchlaufen und befand im Rückblick, „dass ich sehr viel dazugelernt und auch über mich selbst erfahren habe, wo ich vorher gar nicht so richtig gewusst hab, was da noch in mir gesteckt hat.“ Positiv überrascht hat Rothe auch mit seiner klaren Haltung zu jenen Phasen in seiner Amtszeit, in denen der Theaterplatz Montag für Montag von Menschen gefüllt, die Dresdens Oper lediglich als Kulisse missbrauchten.  Die unzufriedenen „Patrioten“ halt. Rothe hat diesen Aufläufen gegenüber klare Haltung bezogen und musste mitunter tüchtig einstecken, bis hin zu unmissverständlichen Anfeindungen. Eva-Maria Stange hat ihn gegen sämtliche derartigen Angriffe stets unterstützt, denn „ich fand das schon hochachtungsvoll, was Herr Rothe da tat.“

Natürlich stand auch ein Großteil des Hauses hinter ihm, aber solch ein Betrieb ist halt auch Spiegel der Gesellschaft, folglich sei Rothe und seinem Team Freiwilligkeit stets sehr wichtig gewesen, „damit niemand den Eindruck bekommt, dass von oben festgelegt wird, wie man sich politisch zu engagieren habe. Das ist enorm wichtig für die betriebliche Hygiene.“ Da künstlerische Qualität und betriebliche Hygiene einander bedingen, ist es keine Frage für Wolfgang Rothe, dass er sein Haus gut aufgestellt sieht: „Die Substanz ist da für Großes.“

09.07.2018Kolumnen