Von Ost nach West, von West nach Ost

Kolumnen

Von Ost nach West, von West nach Ost

Das Ende der Kindheit ist da: Nichts ist mehr, wie es mal war, nichts wird bleiben, wie es ist. Wer mit Europas bekanntester Nuss-Nugat-Creme am Frühstückstisch aufgewachsen ist (und sie gern auch außerhalb fester Mahlzeiten ausgelöffelt hat), könnte die bauchigen Gläsern mit ihren weißen Deckeln künftig im Regal ignorieren. Zu hell und noch süßer ist das Produkt geworden. Und die abgesprungenen Ex-Liebhaber haben auch schon einen neuen Namen dafür gekürt: Zucker-Fett-Creme soll sie heißen, das wäre dann ehrlich.

In direkte Reichweite dieses einst wunderbaren Trostmittels der Kindheit befanden sich stets gut sortiert die bunten Hefte aus Entenhausen. Wahre Fans kannten deren stets banale und oft ebenfalls tüchtig süßliche Inhalte auswendig. Hinter Eisernen Vorhängen waren Donald Duck und Konsorten zumeist streng verboten, hinter Großen Mauern erst recht.

Nun aber hat er im Zentrum des Kommunismus Einzug gehalten, der Ober-Enterich mit dem twitternden Schnabel. Leute, die Jugend von Milliarden Menschen ist damit endgültig vorbei. Nichts ist mehr …, siehe oben. Inzwischen ist der Immobilienpräsident mit seiner Entourage weitergezogen – ausgerechnet gen Vietnam (in grausamen Kindheitserinnerungen flogen Seinesgleichen in B52-Bombern ein, heute wird die Air Force One benutzt).

Damit ist das Feld des Himmlischen Siegens frei geworden für bessere Botschaften: In den nächsten Tagen werden die Musiker der Sächsischen Staatskapelle wieder für Wohlklang im Land der Mitte sorgen. Gastdirigent Alan Gilbert, noch Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker und demnächst Chef des NDR Elbphilharmonie Orchesters, hat bereits vor dem Abflug aus Dresden seine Hoffnung postuliert: „Wir sollten unsere universelle Sprache der Musik immer einsetzen, um letztlich aus der Welt einen besseren Ort zu machen.“

Kinder würden jetzt fragen, warum solche Menschen nicht Präsidenten werden?

Mit großen Ambitionen agiert auch die junge koreanische Dirigentin Eun Sun Kim, die  ab Sonntag zum zweiten Mal in Dresden gastiert und auf eine kulturelle Annäherung in ihrer Heimatregion hofft. Momentan gibt es kaum einen Austausch zwischen Nord und Süd. Dass Kunst und Kultur hier helfen könnten, schließlich wird in ganz Korea seit jeher gern gesungen, sollte nicht nur eine kindliche Vorstellung bleiben.

Blicken wir zurück nach Dresden und freuen uns auf Eun Sun Kim: Wer ihre »Bohème« verpasst hat, darf sich nun auf »Rigoletto« freuen. In den nächsten vier Aufführungen der Verdi-Oper steht sie am Pult vor den daheimgebliebenen Musikerkollegen.

10.11.2017Kolumnen