Kein Friedensschluss im Riesenkrieg der Triebe

Features ▪ Rezensionen

Kein Friedensschluss im Riesenkrieg der Triebe

Foto: H.L. Boehme

Ein „universalpoetisches Schlossbegängnis“ sollte es werden – so hatte es sich ein kleiner Künstlerfreundeskreis 2007 ausgedacht. In Erinnerung an die Geisteswelt des „Scharfenberger Kreises“ (Christian Gottfried Körner, der Vater Theodor Körners, Friedrich de la Motte Fouqué, der »Freischütz«-Apel, E.T.A. Hoffmann und andere) entstand damals das Programm »HAST AUCH DU EIN GEFALLEN AN UNS, DUNKLE NACHT?«, das in den Folgejahren an sechzig Abenden über achttausend Romantikfüchse nach Scharfenberg locken sollte. Letztes Jahr entschlossen sich die Initiatoren dann, die Inszenierung mit ihrem 10. Jubiläumsjahr feierlich zu Grabe zu tragen. Aber wie es bei zünftigen Romantikern so ist, der Gevatter mit der Sichel bedeutet ja nicht das absolute Ende allen Seins. So kommt das „universalpoetische Schlossbegängnis“ nun sozusagen als freundlicher Wiedergänger zurück; inhaltlich transzendiert, musikalisch erweitert und im Eintrittspreis ganz leicht erhöht (29/erm. 27 EUR, Abendkasse +2 EUR).

Thomas Förster (der einst im Team mit Ann-Kristin Böhme und Thomas Stecher die Herbststurm-Idee ersann) zeichnet nun alleinig für die Regie des Abends verantwortlich. Wer das Herbststurm-Programm einmal miterlebt hat, wird glücklich sein, einige der Mitwirkenden erneut auf dem Zettel zu finden: Ann-Kristin Böhme (Chor), Anna Böhm (Klavier), Bertram Quosdorf (Blasinstrumente) und Annette Jahns (Gesang und Rezitation) tragen den romantischen Scharfenberger Geist ins neue Programm. Drei beglückende neue Geister sind Paul Hoorn (der seine künstlerische Partnerin Karolina Petrova mitgebracht hat und nun für das musikalische Gesamtprogramm verantwortlich ist), die Schauspielerin Cordula Hanns und Altmeister Tom Quaas.

Dramaturgisch wirbelt der neue „Herbststurm“ durch verschiedene Jahrhunderte und Genres. Von biblischen Gleichnissen über Jean Paul bis hin zur schwarzen Kunst Georg Kreislers („Tigerfest„) und zurück zu „Wandrers Nachtlied“ geht’s; musikalisch endet die Fahnenstange bei einem melancholischen »Fragile« á la Paul Hoorn. Man muss das erleben: die gesamte Atmosphäre des Abends, zu der kurze Regenschauer absolut dazugehören (nicht nur, weil die heiße Suppe zur Pause dann noch köstlicher schmeckt, sondern weil’s inhaltlich passt – nur um die Instrumente hatten wir ein bisschen Angst), ist einzigartig durch den Nimbus des Ortes und die kluge Abmischung von Stilen und Themen.

Die sechs Termine für Oktober 2018 stehen bereits fest.

06.11.2017Features, Rezensionen