Stunde ohne Zeiger

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Stunde ohne Zeiger

Foto: PR

Zur zeitlosen Stunde, wenn die Sommer- auf die Winterzeit umgestellt wird, erklingt dieses Jahr erneut das Glockenspiel im Zwinger mit neuer Musik, eine Aktion des Künstlers Florian Dombois. Hierfür lädt er jährlich eine andere Komponistin bzw. einen anderen Komponisten aus einem europäischen Nachbarland für die Komposition eines Werks für das Zwinger-Glockenspiel ein. »INVERSE. Ein städtisches Ritual für Dresden« wird dieses Jahr mit der Uraufführung einer Komposition von Alexey Retinsky (*1986 in Simferopol, Krim) eröffnet. Das Werk wird live von Richard Röbel, einem ehemaligen Studenten der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden auf dem Carillon, dem Glockenspiel, im Zwinger gespielt werden.

Ab 1:23 Uhr steht der erleuchtete Zwinger allen Dresdnern offen. Zeitgleich öffnen die Porzellansammlung und der Mathematisch-Physikalische Salon mit themenspezifischen Führungen der Museumsdirektoren Julia Weber und Peter Plaßmeyer ihre Türen. Beide Museen stehen inhaltlich in Verbindung mit der Kunstaktion: Die Porzellansammlung besitzt das erste Meissener Glockenspiel von 1736 aus dem Japanischen Palais, das zu diesem besonderen Anlass auch erklingen wird. Der Mathematisch-Physikalische Salon war jahrhundertelang Inbegriff der Zeitmessung in Sachsen, denn bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier die Bestimmung der regionalen Zeit vorgenommen.

Wenn um 3 Uhr die Uhren für eine Stunde angehalten werden, erklingt die ca. 10-minütige Komposition von Alexey Retinsky im Zwingerhof. Es entsteht eine freie Zeit, eine „zeitlose Stunde“, die Dombois mit seiner Kunstaktion aus dem Schatten der Nacht in unser Bewusstsein holt. Die Komposition markiert den Auftakt zur Stille der gewonnenen Zeit und zum gemeinsamen, einstündigen Abschied von der technischen Zeit,  eine „Stunde ohne Zeiger“, ein „Riss in der Wirklichkeit“, wie Dombois das nennt, ein Freiraum zum Denken und Sinnen. Kein Zeitdruck, keine Notwendigkeiten, die Welt wartet einfach.

Der Künstler Florian Dombois (*1966, Berlin) widmet sich in seinen Arbeiten Themen wie Zeit, Landformen, Tektonik, wissenschaftlichen und technischen Fiktionen in unterschiedlichen Darstellungen und Publikationsformaten. Als Künstler wurde er vor allem durch seine Klang-Installationen bekannt. Seit 2011 hat er eine Professur an der Züricher Hochschule der Künste inne. Dombois ist Preisträger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der Deutsche Klangkunst-Preis (2010). 2017 war er in einer Einzelausstellung im „Research Pavilion“ während der Biennale in Venedig zu sehen.

Die Veranstaltung wird über einen Livestream übertragen:  https://www.facebook.com/skd. museum/

 

23.10.2017Allgemein