„In diesem Sinne bin ich nicht frei.“

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„In diesem Sinne bin ich nicht frei.“

Foto: PR

Lieber Herr du Mont, im Grunde ist es ja falsch, Sie ’nur‘ als erfolgreichen und beliebten Schauspieler zu bezeichnen – denn Sie sind ebenso Schriftsteller. Woher kommt diese Liebe zur Literatur?

Woher sie kommt, kann ich gar nicht genau sagen. Aber ich weiß, wann sie begonnen hat: Mit 19 Jahren fing ich an zu schreiben. Dabei war der Anfang wirklich schwer und mühsam, denn man ist plötzlich mit der großen Geschichte der Literatur konfrontiert, mit all den wunderbaren Autoren und Texten… Ich schreibe ja im Gegensatz zu manchen Prominenten meine Bücher selbst. Das ist zwar anstrengender, aber für mich der einzige Weg. Besonders liebe ich es, Texte – eigene oder von anderen, meist englischen Autoren – zu lesen. Und wenn dann noch die Verbindung mit Musik gegeben ist, sind das immer erfüllende Abende. Es ist also eine langjährige und alte Liebe, die mich aber stets aufs Neue berührt.

Sie wären in den 70er Jahren beinahe James-Bond-Darsteller geworden, generell fliegen Ihnen viele Frauenherzen zu. Waren Sie skeptisch, ein Casanova-Programm mitzugestalten und so das Image des Verführers zu stark zu betonen?

Nein. Denn zuallererst bedeutet das Programm für mich, hoch interessante europäische Literatur zu lesen. Das hat mich gereizt. Wenn man sich erst einmal intensiver mit Giacomo Casanova beschäftigt, sind zwar seine Liebschaften allein schon rein quantitativ beeindruckend, weitaus bemerkenswerter ist aber sein scharfer Verstand, seine Abenteuerlust und die Unbedingtheit in seinem Leben. Manchmal liest sich das Ganze auch wie eine packende Kriminalgeschichte.

Casanova beschwört in seinen Memoiren immer wieder die Freiheit des Willens und allgemein Freiheit als höchstes Gut. Was bedeutet Ihnen Freiheit? Oder: Wann fühlen Sie sich frei?

Prominenz bedeutet manchmal Unfreiheit. Oder vielleicht etwas milder gesagt: Prominenz ist Freiheit nicht dienlich. Überall wird man fotografiert, interpretiert… Es wäre aber falsch, sich darüber zu beklagen, auch wenn es schon schwierig ist, dass einem das Leben gewissermaßen aus der Hand genommen wird. Andere beschreiben dich, fügen deiner Lebensgeschichte immer neue Episoden oder ganze Kapitel zu. Aber das bin ja nicht ich, der da dann erzählt wird. In diesem Sinne bin ich nicht frei. Dabei ist mir dieses Gefühl der Freiheit enorm wichtig. Genau deswegen gehe ich zum Beispiel in den kommenden Tagen auf ein Schiff und entfliehe dem möglichen Rummel um meinen Geburtstag. So schaffe ich mir eine private Insel der Freiheit – zumindest für ein paar Tage.

Á propos: Es ist ja kein Geheimnis, dass in diesen Tagen ihr 70. Geburtstag ansteht. Casanova hat in ähnlichem Alter seine bemerkenswerten Memoiren verfasst. Kommt in Ihnen auch das Bedürfnis aus, Bilanz zu ziehen?

Ach, eigentlich nicht. Die Bilanzen ziehen andere, Medienvertreter, auch Freunde. Mich persönlich interessiert das nicht so sehr. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mein Leben lieber lebe als es rückblickend zu deuten.

Aber die Vorstellung, sich mit den Jahren etwas zurückzuziehen, gefällt Ihnen?

Ja, aber nur für eine begrenzte Zeit. Denn ich bin ein absoluter Familienmensch. Meine Kinder leben jede zweite Woche bei mir. Um die will ich mich kümmern können. Ich mache ihnen Frühstück, bringe sie zur Schule. Ein ganz normales Familienleben. Das bindet mich an Hamburg.

Wenn Sie Memoiren verfassen würden, welche Überschrift würden sie haben?

Das werde ich nicht machen. Ich bin zutiefst englisch erzogen worden, Bescheidenheit ist mir ein hohes Gut. Bei Memoiren schwingt dann doch immer eine gewisse Überhöhung des eigenen Lebens, der eigenen Bedeutung in der Welt mit. Ganz ehrlich: das widerstrebt mir. Und zu viele Prominente veröffentlichen solche Bücher über sich – meistens dann noch nicht einmal selbst geschrieben. Nehmen Sie zum Beispiel Boris Becker. Dieser Mann hat mit einem relativ kleinen Schläger kleine Bälle relativ oft gut getroffen und so Wimbledon gewonnen. Aber was ist das im Vergleich zu Thomas Mann oder Beethoven?!

Der Abend bei den Dresdner Musikfestspielen am 8.6. ist ausverkauft. Die nächsten Möglichkeiten, das Programm zu hören, sind am 11.6. an der Ostsee im Schlossgut Groß Schwansee und am 6.9. beim Musikfest Stuttgart.

05.06.2017Interviews