Fürstliches im neuen Jahr

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Fürstliches im neuen Jahr

Christiane Gagelmann (Waldenburg), Barockvioline; Thomas Grosche (Sächsische Staatskapelle Dresden), Viola da Gamba; Kreuzorganist Holger Gehring, Cembalo (Fotos: PR)Christiane Gagelmann (Waldenburg), Barockvioline; Thomas Grosche (Sächsische Staatskapelle Dresden), Viola da Gamba; Kreuzorganist Holger Gehring, Cembalo (Fotos: PR)

Die Stadt Glashütte lädt am Sonnabend, dem 21. Januar 2017 um 19 Uhr in Reinhardtsgrimma zum ersten Schlosskonzert im neuen Jahr ein. Musikalisch eröffnet wird die Saison 2017 mit Violin- und Gambensonaten von Johann Sebastian Bach. Die Musiker spielen allesamt auf historischen Instrumenten bzw. deren Nachbauten und entführen die Zuhörer damit im authentischen Ambiente des Barockschlosses auch akustisch originalgetreu in die Klangwelt des Barock.

Die Violin-und Gambensonaten von Johann Sebastian Bach gehören zu den Meisterwerken barocker Kammermusik. Die Werke entstanden wahrscheinlich hauptsächlich in der Zeit von 1717-1723 in Köthen, wo Bach als Hofkapellmeister unter Fürst Leopold für einen besonders kunstinnigen Hof tätig war. „Die 6 Claviertrio, …, sind von den besten Arbeiten des seeligen lieben Vaters. Sie klingen noch jetzt sehr gut, u. machen mir viel Vergnügen, ohngeachtet sie über 50 Jahre alt sind. Es sind einige Adagii darin, die man heut zu Tage nicht sangbarer setzen kann.“ So begeistert schrieb im Jahre 1774 der Bachsohn Carl Philipp Emanuel Bach an den ersten Bach-Biographen Johann Nikolaus Forkel über die sechs Sonaten für Violine und Cembalo. Aber wieso „Claviertrio“, wo doch nur zwei Instrumente spielen? Entscheidend ist, dass sich in diesen Stücken das Cembalo von seiner Rolle als reines Basso-Continuo-Instrument weitgehend emanzipiert hat. Die rechte Hand konzertiert nun gleichberechtigt mit der Violine, während die linke Hand vor allem den Bass ausführt – macht zusammen mit dem oftmals beteiligten Bassinstrument insgesamt drei (obligate) Stimmen. Ähnlich verhält es sich bei den Gambensonaten, bei denen das Cembalo ebenfalls als gleichwertiger Partner des solistischen Streichinstruments agiert. Bei den Werken handelt es sich der Form nach zumeist um Sonaten in der ursprünglichen Tradition der viersätzige Kirchensonaten, die durch den Wechsel von langsamen und schnellem Satz charakterisiert sind.

Das im Reinhardtsgrimmaer Schlosskonzert zu hörende Cembalo ist auffällig lang und besitzt nahezu die Ausmaße eines Konzertflügels. Es hat einen außergewöhnlichen tiefen Tonumfang, wodurch eine besondere Klangfülle erreicht wird. Das Instrument wurde 2007 vom Hamburger Cembalobauer Matthias Kramer nach stilistischem Vorbild der berühmten sächsischen Instrumenten- und Organistenfamilie Gräbner erbaut. Kramer gilt weltweit als Spezialist vor allem für den Nachbau deutscher Cembali. Seine Instrumente zieren nicht nur viele Hauptkirchen Deutschlands, sie werden auch von den führenden Hochschulen im In- und Ausland besonders geschätzt und von international renommierten Cembalisten bevorzugt gespielt.

Konzerteintritt: 25 EUR/ 15 EUR (erm.) | Freie Platzwahl, Abendkasse 45 Minuten vor Beginn (im Schloss), Kartenvorverkauf an der Konzertkasse Dresdner Kreuzkirche, An der Kreuzkirche 6, 01067 Dresden, Telefon: 0351-4393939

Das idyllisch gelegene Barockschloss Reinhardtsgrimma, kurz nach Ende des Siebenjährigen Krieges nach Plänen des Oberlandbaurates Johann Friedrich Knöbel erbaut, beherbergt seit 1995 eine kleine, feine Kammermusik-Konzertreihe. Die Stadt Glashütte veranstaltet sie; und der gebürtige Dresdner Heinz Weber hatte bis 2012 die künstlerische Leitung inne. Dann hatte der damals bereits Fünfundachtzigjährige das Zepter weitergegeben: der Kreuzorganist Holger Gehring, in Bielefeld geboren und in Lübeck, Stuttgart und Frankfurt ausgebildet, wurde vom Glashütter Stadtrat als Nachfolger benannt.

Weitere Veranstaltung im Rahmen der Schlosskonzert-Reihe 2017 in Reinhardtsgrimma:

Sonnabend, 18. Februar, Das Fin de Siècle und der Umschwung – Kammermusik um 1900 | Robert Oberaigner (Klarinette), Michael Schöch (Klavier)

Sonnabend, 18. März, Klassik trifft Romantik| Philharmonisches Streichtrio Dresden | Heike Janicke (Violine), Andreas Kuhlmann (Viola), Ulf Prelle (Violoncello)

Sonnabend, 08. April, Saitenklänge – Ein musikalischer Streifzug durch die Jahrhunderte| Christoph Geibel (Violine), Rebekka Frömling (Harfe)

Sonnabend, 18. November, „Musique pour le Roi-Soleil“ – Barockmusik am Hof des Sonnenkönigs | Céline Moinet (Oboe); Norbert Anger (Violoncello), Holger Gehring (Cembalo)

Sonnabend, 16. Dezember, „Ein Gang durch das Jahr“ – Liederabend zum Advent | Annekathrin Laabs (Dresden, Alt; Mirella Petrova (Dresden), Klavier

06.01.2017Allgemein