„bei gutem Drill und angemessenen Anforderungen…“

Kolumnen

„bei gutem Drill und angemessenen Anforderungen…“

A Stradivarius violin known as "The Penny" is displayed at Christie's auction house in New York March 27, 2008. The 300-year-old Antonio Stradivari violin named after its previous owner, the pianist and violinist Barbara Penny, will be auctioned on April 4. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES)

„Da können die Originalklangfetischisten noch so lang von kleinen Besetzungen und leisen Tönen schwärmen: traditionelle Orchestermusik braucht eine gewisse Klang-Masse, braucht Substanz und Tonfülle“ – so beginnt das dritte Kapitel der »Kleinen Typologie der Laienmusiker« von Joachim Landkammer. Hinterlistig erklärend, fährt der Autor fort: „Vor allem wenn Laienmusiker am Werk sind, muß ja bekanntlich die Quantität in gewisser, geschickter Weise die Qualität wettmachen. Das dazu nötige Humankapital wird zum großen Teil von diesem Typ gestellt: von den Vielen-Nie-zu-Vielen, dem Begleitstimmenvieh, den Kärrnern und Handlangern für die untergeordneten, undankbaren Arbeiten, den Mittelmäßigen ohne jegliche Starallüren, den vielen namenlosen, anonymen Freizeitfiedlern, deren isolierte Tonproduktion keinem halbwegs musikalischen Menschen zumutbar wäre, die in der Masse aber erstaunlicherweise erträglich sind und bei gutem Drill und angemessenen Anforderungen fast quasi-professionelle Resultate liefern können…“

Ebenjenes Begleitstimmenvieh ist den beiden Universitätsorchestern, dem großen Sinfonieorchester und der Kammerphilharmonie, leider über den Sommer in Größenordnungen von der Fahne getrottet, sodass sich der Dirigent der beiden Klangkörper, Filip Paluchowski, nun gezwungen sieht, einen außerordentlichen Aufruf unter den Freizeitfiedlern der Landeshauptstadt zu starten. Demnächst finden Probespiele statt, zu denen die Orchester in den süßesten Tönen einladen: „Ein Probespiel gibt uns einen kleinen Einblick in Deine Art des Musizierens, anhand derer wir entscheiden können, ob wir gemeinsam Musik machen können. Ebenso ist es nach unserer Meinung die fairste Methode, um aus der wunderbar großen Anzahl an Anfragen, die uns erreichen, eine Auswahl zu treffen,“ flöten die Organisatoren, und lenken so erfolgreich davon ab, welche psychologisch niederschmetternden Erlebnisse bei solchen Terminen selbst überdurchschnittlich begabten Musikern drohen. Wer dennoch den Übermut aufbringt, es bei einem der Klangkörper versuchen zu wollen: am 19. und 20. Oktober sind die nächsten Mutproben angesetzt; bis heute Mitternacht (wie passend) können sich Unverdrossene über die E-Mail-Adresse probespiel@uniorchester-dresden.de anmelden.

 

 

17.10.2016Kolumnen