„Einstürzende Mauern“ – KlangNetz Dresden startet Konzertreihe zum 25. Jahrestag des Mauerfalls

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„Einstürzende Mauern“ – KlangNetz Dresden startet Konzertreihe zum 25. Jahrestag des Mauerfalls

Mauer-Risse

Erinnerung und Gedenken gehören zur Bildung kultureller Identität. Erinnern, das bedeutet im besten Fall eine intensive, womöglich für das Heute folgenreiche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Bei Komponistenjubiläen ist dies zumeist durch Wiederaufführungen einfach umsetzbar – schwieriger ist die Sachlage bei politischen Ereignissen, denn ein Weltkriegsausbruch oder ein Mauerfall ist eben nicht so eindeutig dechiffrierbar wie eine Partitur von Richard Strauss.

 25 Jahre nach dem Berliner Mauerfall widmet das Kulturnetzwerk "KlangNetz Dresden"  diesem Ereignis eine ganze Konzertreihe.  Jörn Peter Hiekel, der Leiter von KlangNetz Dresden erläutert: "Eine der Grundüberlegungen dieser Reihe ist die Einsicht, dass im Bereich der Kultur, und nicht zuletzt in dem der Neuen Musik, Wesentliches auf den Weg gebracht wurde, was sich von den Zügen einer bloß auf Repräsentation bedachten Kultur deutlich zu unterscheiden wusste. Womöglich war es sogar einer gemeinsamen Identität in beiden deutschen Staaten zuträglich."

Mauern versus Konjunktur? – Im Stück von Georg Katzer spielt der DAX eine wichtige Rolle.

 Die Konzertreihe wird über das gesamte Jahr 2014 hinweg den Mauerfall nicht nur dokumentieren und kommentieren, sondern setzt darüberhinaus auch künstlerische Wegmarken. Neben bereits etablierten Formaten im KlangNetz wie der Reihe "Short Concert" oder der "Ersten Anhörung" mit Kompositionsstudenten werden sich hier in insgesamt sieben Konzerten mehrere angeschlossene Ensembles wie "Courage" und "El Perro Andaluz", Studenten und Solisten beteiligen.

Die musikalische Bandbreite der Konzerte ist enorm und nicht auf den zeitlichen Fixpunkt 1989 beschränkt. Ebenso wie es ein "Davor" und "Danach" zu berücksichtigen gilt, das in Beziehung auf den Mauerfall in der Musikwissenschaft wie auf dem Konzertpodium bislang kaum ins Blickfeld gerückt scheint, existieren auf beiden Seiten der Mauer musikalisch-geographische Perspektiven. Zudem kann die Außensicht auf die Ereignisse weitere Erkenntnisse beitragen. Mauern existierten und existieren überall auf der Welt – nicht alle sind sichtbar. Die südlichen Mauern der EU etwa oder unsichtbare ethnische Mauern z. B. in arabischen und afrikanischen Ländern stellen ebenso aktuelle Problemzonen dar wie auch die  "Mauern in den Köpfen" bekanntes Terrain unserer Gesellschaft sind. Die Geschehnisse in der Ukraine ließen in den letzten Tagen erfahren, welch verheerendes Potenzial Grenzziehung und Frontenbildung haben kann. Die Ereignisse vom Maidan erzeugten aber auch Gedanken darüber, welche Art von (immer noch zu hinterfragender) Dynamik und Freiheit ein Einsturz von Mauern in sich birgt.

Ensembleprobe – mit Hammer, aber ohne Sichel.

Das Auftaktkonzert der Reihe am 27. Februar wird vom Ensemble "AuditivVOKAL DRESDEN" im Hygiene-Museum aus den verschiedenen Blickwinkeln zeitgenössischer Komponisten gestaltet, aber gleichzeitig auch in eine Dramaturgie gebettet, die die "Mauer-Situation" spiegelt. Zudem ist gleich dieses erste Konzert eine Auseinandersetzung mit der Sprache und der Sprachlosigkeit, die uns angesichts solcher gravierender historischer Ereignisse ereilen mag – es dürfte äußerst spannend zu erleben sein, wie Vokalkunst auf Textvorlagen etwa von Brecht, Meldungen der russischen Nachrichtenagentur TASS, Blog-Berichten einer jungen Iranerin oder Graffiti-Fragmenten auf der Berliner Mauer antworten kann. Jörn Peter Hiekel: "Es erschien sinnvoll, auch wichtige Werke einzubeziehen, die erst nach 1989 entstanden sind. Und ebenso werden musikalische Nachfahren der von der Teilung noch direkt betroffenen Komponistengenerationen in die Thematik integriert." – Georg Katzer und Marc Yeats werden sich am Konzertabend in einem Komponistengespräch (18 Uhr) vorstellen. Nagelneu ist das Stück "Oros" des britischen Komponisten Marc Yeats – als Auftragswerk für dieses Konzert entstanden wird es an diesem Abend uraufgeführt. Auch zwei Vokalwerke von Reiner Bredemeyer (1929-1995) werden in diesem Rahmen zum ersten Mal überhaupt zu hören sein.

27. Februar 2014, 19.30 Uhr,  Hygiene-Museum Dresden – "Einstürzende Mauern", Auftaktkonzert. Werke von Reiner Bredemeyer (UA), Gerhard Stäbler, Stephan Froleyks, Georg Friedrich Haas, Samir Odeh-Tamimi, Marc Yeats (UA), AuditivVOKAL Dresden, Leitung: Olaf Katzer, Moderation: Asmus Trautsch, Tanz: Marita Matzk, Ka Dietze

Alle Konzerttermine der Reihe "Einstürzende Mauern"

Fotonachweis: Frank Schönwälder / Alexander Keuk / AuditivVOKAL

24.02.2014Features