Der Jubilar schenkt sich – und uns – eine Uraufführung

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Der Jubilar schenkt sich – und uns – eine Uraufführung

Der Mann hat heute Geburtstag und er beschenkt sich mit einer neuen Komposition. Uraufgeführt wird sie Ende September zu den nunmehr vierten Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch. Erstmals gibt es dort dann ein Wandelkonzert, ausgeführt von Mitgliedern des Dresdner Kreuzchores und dem Vocal Concert Dresden. Neben Werken von Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten erklingt „Nehmt hin die Welt“ von Krzysztof Meyer. Der am 11. August 1943 in Krakau geborene Komponist schrieb dieses Auftragswerk der Schostakowitsch Tage nach einem Text von Friedrich Schiller für gemischten Chor a cappella als sein Opus 120.

Der polnische Jubilar ist dem Festspielort Gohrisch und ist der Musikstadt Dresden ebenso wie dem Kulturland Sachsen seit langem eng verbunden. Als Vorsitzender des Polnischen Komponistenverbandes (1985 – 1989) hatte er vielfältige Kontakte zur Musikszene Sachsens. So gab es mehrere Aufführungen seiner Werke in Dresden und Leipzig, wo Kammermusiken ebenso wie Orchesterkonzerte zu hören gewesen sind. Bereits als Student reiste Meyer 1963 nach Weimar und Leipzig, um die Pflege seines Werks machte sich insbesondere die Gruppe Neue Musik Hanns Eisler beizeiten verdient.

Der polnische Komponist startete seine musikalische Laufbahn bereits in sehr jungen Jahren, begann mit intensivem Klavierunterricht schon als Fünfjähriger, studierte später Komposition unter anderem bei Krzysztof Penderecki und setzte seine Ausbildung in den 1960er Jahren bei Nadja Boulanger in Paris fort.

Sehr frühzeitig wurde ihm der Komponist Dmitri Schostakowitsch zum großen Vorbild. Bereits in jungen Jahren wandte er sich couragiert an sein Idol und sandte ihm eigene Kompositionen zu. Die daraufhin erhaltene Ermunterung blieb ihm wohl zeitlebens sehr wichtig. Damit war damit der Beginn für eine anhaltende Beziehung zwischen Krzysztof Meyer und dem bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts angebahnt. Die beiden haben sich später rege über ihr Schaffen ausgetauscht, Meyer veröffentlichte 1997 die Biografie „Schostakowitsch – Sein Leben, sein Werk, seine Zeit“ (überarbeitete Neuausgabe 2008), die international für Aufsehen sorgte und noch heute als genaue Analyse des Schaffens und Wirkens dieses Künstlerkollegen gilt. Später hat Meyer auch Schostakowitschs unvollendet gebliebene Oper „Die Spieler“ nach Nikolai Gogol fertiggestellt.

Dass Krzysztof Meyer bis heute oft und gern mit seinem Idol in Verbindung gebracht wird, ist nicht verwunderlich. 2010 wurden die ersten Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch mit einer Einführung Meyers und der Uraufführung seines 13. Streichquartetts op. 113 eröffnet, auch in den Folgejahren blieb er dem Festival als ständiger Gast eng verbunden. Für Ende September 2013 ist die Musik Krzysztof Meyers sogar als dritter Schwerpunkt neben der von Schostakowitsch und Benjamin Britten angekündigt. Vom 27. bis zum 29. September darf man sich davon überzeugen lassen.

Dennoch darf dieser seit langem in Deutschland lebende Künstler nicht auf seinen Bezug zu Schostakowitsch reduziert werden. Krzysztof Meyer hat sich in seinem höchst schaffensreichen Leben längst einen Namen als herausragender Schöpfer eines absolut eigenständigen Klangkosmos gemacht. Schon in frühen Studentenjahren avancierte er mit experimenteller Suche nach dem bisher Ungehörtem, wenig später verknüpfte er die Moderne bewusst mit polnischen Traditionen. Zahlreiche seiner Sinfonien und Konzertstücke drücken dies aus, in besonderer Weise seine 1970 vollendete (und 1985 revidierte) Oper „Kyberiade“ nach der gleichnamigen Erzählung von Stanislaw Lem sowie Ende der 1980er Jahre die Oper „Die verzauberten Brüder“ nach Jewgeni Schwarz und zehn Jahre später das Oratorium „Schöpfung“. Meyer komponiert aber auch Kammermusik, Solostücke und Vokalwerke, fühlt sich dieser „kleinen“ Form seit jeher sehr nah. Das wird im kommenden Herbst in Gohrisch einmal mehr unter Beweis gestellt, wenn neben dem Streichquartett op. 89 – eine Hommage an Schostakowitsch, der Meyer im Frühjahr 1974 erste Auszüge aus seinem nie notierten 16. Streichquartett vorgespielt hatte (die sich hier niederschlagen) – die neue Uraufführung von Krzysztof Meyer zu erwarten ist.

12.08.2013Features