Brahms von Ax bis Zimmermann

Rezensionen

Brahms von Ax bis Zimmermann

Frank Peter Zimmermann (Foto: Franz Hamm)

Im Alltag lebt jeder der beiden in seiner eigenen Klangwelt. Der Geiger Frank Peter Zimmermann beglückt das Publikum mit grandiosen Interpretationen der Violinkonzerte von Mozart bis Britten. Und der Pianist Emmanuel Ax tourt unermüdlich und weltweit mit Beethoven, Brahms & Co. – über fünfzig solcher Konzerte hat er 2013 schon abgehakt. An den Schnittkanten dieser Welten liegt der geheime Treffpunkt für eine Leidenschaft, die wohl jeder große Musiker hegt und pflegt: feine Recitals und intime Kammermusik. Sie ist es doch, die den Geist durchputzt, die Sinne für die eigene Technik, den eigenen Klang schärft – und schlicht musikantisches Vergnügen macht!

So war am Pfingstsonntag im Palais im Großen Garten die kleine Bühne bereitet für den krönenden Abschluss einer Mini-Tournee, die Ax und Zimmermann in den letzten Tagen durch Deutschland geführt hat. Auf dem Programm die drei Violinsonaten von Johannes Brahms – wobei dieser verkürzende Titel höchst unfair ist angesichts der ausgewogenen Schwerpunktsetzung in den entsprechenden Geigen- und Klavierparts. Wohl hört man die erste und zweite Sonate manchmal von namhaften Geigerinnen und bescheiden begleitenden Korrepetitoren; jenen aber treibt spätestens die dritte Sonate "für Klavier und Violine" d-Moll op. 108 mit ihrem raumgreifenden und außergewöhnlich schwierigen Klavierpart Schweißperlen auf die Stirn. Von dieser Art pianistischen Dienstleistung war das Konzert hingegen frei: die beiden renommierten Künstler musizierten nicht nur "auf Augenhöhe" (das wäre eine banale Beobachtung), sondern als Brüder im klanglichen Geist. Und diesmal quasi im Einklang mit der Natur: reinglänzend und mit Schmelz die Brahmsschen Klänge, während die Sonne langsam über dem Hygienemuseum unterging; besinnlich, nachdenklich tastend während der blauen Stunde, als ein fernes Wetterleuchten sich im großen Palais-Fenster hinter der Bühne ankündigte. Zuletzt volltönend und kräftig zulangend, während dicke Blitze über Dresden zuckten. Reizvoll der kompositorische Kontrast zum zugegebenen Robert Schumann. Das warme Vollbad dann auf dem Heimweg durch den Großen Garten, im glücklichen Bewusstsein des Erlebten: das sind wahre Dresdner Musik-Festspiele!

Eine Textfassung des Artikels ist am 21. Mai in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

23.05.2013Rezensionen