Überraschung!

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Überraschung!

Für einen Aprilscherz kommt die Meldung zu spät: Die Fertigstellung des Kulturpalastes verzögert sich. Nicht, wie mal geplant, 2015 soll die Spielstätte der Dresdner Philharmonie wieder eingeweiht werden können, sondern – frühestens! – im Frühjahr 2017. Schlappe zwei Jahre Verzug. Aber wer spricht schon von Fertigstellung und Wiedereröffnung, wo doch der Bau noch nicht einmal begonnen hat!

Die gesamte laufende Spielzeit über ist das Orchester schon ohne Obdach – nach jetzigem Planungsstand soll das ganze fünf Jahre so gehen. Sagen wir besser gleich Notstand dazu. Nennen wir es Dilettantismus. Versagen auf kommunaler Linie. Wenn das mal keine Tautologie ist. Als das städtische Orchester im Sommer vorigen Jahres auf die Straße gesetzt worden ist, hätten Wetten abgeschlossen werden können, wohin das führt. Dass alles länger dauert und teurer wird – Überraschung! – dürfte wohl damals schon klar gewesen sein. Dass der Koloss am Altmarkt mehr als ein ganzes Jahr lang sinnlos leer stehen wird, hätten womöglich nicht mal die mit allen Wassern aus dem Wiener Loch gewaschenen Schwarzseher geahnt.

Aber die perfide Tour geht ja noch weiter: Jetzt wird schöngeredet, was an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Man habe fest mit EU-Fördergeldern gerechnet, die – Überraschung? – dann aber nicht geflossen seien. Nachträglich wurde der Bau einer Konzertorgel in die Planungen aufgenommen, was die vorbereitenden Maßnahmen ebenfalls verzögert hätten. Hallo? Einen Konzertsaal mit Orgel? Nachher kommt noch wer auf die Idee, da auch eine Bühne einzubauen! Oder Publikumsgestühl! Oder gar Garderoben! Künstlergarderoben womöglich?! (Keine Angst: die sind in der bisherigen Kulturpalastplanung nicht im üblichen Umfang vorgesehen. Zu teuer.)

Kinder im Rathaus von Dresden, geht zurück auf Null. Was habt Ihr denn Fachbürgermeister, die von ihrem Fach nichts verstehen? Mit dem jetzt überarbeiteten Plan sei „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen – ja was für ein Tunnel?! Offenbar wurde noch nicht mal angefangen zu bohren. Geschweige denn, dass die Richtung bekannt ist. Wer will da ein Licht sehen?

Das Licht sollte den Wählern aufgehen, den Steuerzahlern, vielleicht auch den Mitgliedern des Stadtrats. Mal bitteschön nicht nur parteipolitisch verrenken, sondern im Sinne der Stadt, der Allgemeinheit denken! (Denken?) Ja, denken! Oder doch besser hoffen? Im Jahr 2020 wird das Orchester – wenn es da noch besteht – 150 Jahre alt. Vielleicht bekommt es zu diesem Jubiläum einen neuen Konzertsaal?

Bis nächsten Freitag erst einmal traurig –
Michael Ernst

18.04.2013Kolumnen