Ein Opernball ist kein Bewerbungsschreiben

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Ein Opernball ist kein Bewerbungsschreiben

Nur drei Elefanten-Damen sollten geplant gewesen sein für den heutigen Ball. Wirklich nur drei? Wer genau hinschaut, sieht mehr. Aber wer will schon genau hinschauen, hm? Diederich Heßling, der will! Wie in jedem Jahr gibt er billig Fußvolk ab. Diesmal kann er angeblich wieder einmal dem „Chorleiter der Nation“ zustimmen. Nur Mut, der Dresdner Theaterplatz ist vorsorglich abgesperrt. Es soll aber auch mit Roberto Blanco zu rechnen sein, obwohl bis Redaktionsschluss noch gar nicht klar war, wie der Entertainer mit dem strahlenden Zahnwerk nach den neuen Vorschriften von Bundesvergnügungsministerin Schröder denn jetzt genannt werden darf. Das mit dem „Blanco“ dürfte der Märchentante doch sicherlich etwas anzüglich erscheinen, nicht? Aber da diese Dame zu den derzeit klügsten bundesdeutschen Ministerinnen gezählt werden darf, würde sie sich gewiss nicht lange beim Fußvolk aufhalten, sondern mitsamt den anderen Damen ins Innere des Busentempels schreiten. Diverse Elevinnen sollen ja schon blank gezogen haben. Im Dreiviertel-Takt! In der Garderobe, versteht sich. Drinnen wäre Frau Schröder jedenfalls unter Ihresgleichen. Aber da das wohl niemand freiwillig auf sich sitzen lassen mag, hat man die Negerkönigin gar nicht erst eingeladen. Verständlich.

Daher ist der in Sachsen bekannteste sächsische Ministerpräsident mitsamt seiner Gattin weitgehend ungestört, wenn er das Ballmottto „Dresden dreht sich“ in die Tat umsetzen darf. Unvorstellbar schön, wie er gleich dastehen mag mit dem Gedanken „einmal dreht sich alles nur um mich“. Neidlos wird er dann die alternativen No-Hell-Preise verteilen, diesmal wieder als alternativlose Georgs-Geschmeide deklariert. Der Euro-Fighter Jean-Claude Juncker erhält einen, wofür ist egal. Michael Ballack muss einen „für seine herausragenden Leistungen im Fußball“ nehmen, wofür denn auch sonst? Ein Volkswagen-Lenker bekommt auch einen, das darf als Dank für die verstopften Straßen von Peking durchgehen. Warum gibt man eigentlich dem Bahlsen-Mann, der schließlich auch nach Dresden geködert worden ist, keinen? Weil der erst mal seinen goldenen Trockenkeks wiederfinden soll? Das wäre gemein.

Fehlt irgendwer? Hat sich Abrüstungsexperte Maiziere, sonst so ein Treuer in diesen Kreisen, etwa entschuldigen lassen? Oder lassen ihn seine Wachhunde nur noch inkognito vor die Hütte? Dabei könnten die doch gleich auf den Verkehrtminister Ramsaua aufpassen, der sich so oder ähnlich auch angesagt hat. Ein paar Schauspielerinnen sollen noch kommen, eine davon bringt aber lieber ihren Papi mit. Wohl wegen der Sperrstunde. Oder weil der Russe auch kommen soll? Nein, nicht Putin, der bekannteste Spitzel von Dresden. Der hat sich seinen Georg ja schon abgeholt. Aber Depardiowski hat immer noch keinen, obwohl er doch jetzt einen russischen Pass hat, dank Zarenerlass. Ein Georg für Gérard! Einen Opernball für einen Obelix!

Aber genug. Hinter den Kulissen wird ja gemunkelt, die Findungskommission zur Neubesetzung des Intendantenpostens erhalte Gratissekt, bis der Arzt kommt. Hausmarke! Wenn das stimmt, wäre es vertane Liebesmüh. So besoffen kann niemand gemacht werden, nicht mal mit Hausmarke. Denn selbst in der sächsischen Landesregierung soll inzwischen Einhelligkeit herrschen, dass die Zukunft der Sächsischen Staatsoper um keinen Preis in die Hände eines Möchtegern-Opernball-Machers gelegt werden darf. (Wer hätte das für möglich gehalten, dass ich einmal mit der sächsischen Landesregierung konform gehe! Kommt bestimmt so rasch nicht wieder vor.)

Vorschlag zum Abgewöhnen: Schüttet den Sekt unters Volk. Hat nicht eins dieser Monarchen irgendwann mal gemeint, wenn dem Pöbel das Wasser zu teuer ist, soll es doch Schampus trinken? Kann sein, dass an dieser Stelle mal absichtlich was durcheinander geriet. Prosit!

Bis nächsten Freitag, dann wieder ernsthaft –
Michael Ernst

01.02.2013Kolumnen