Mit größtem Ausdruck

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Mit größtem Ausdruck

Foto: Matthias Creutziger

Am Ende: Rasender Applaus! Standing Ovations! Bravorufe, nein, ein Bravo-Orkan! Christian Thielemann, der immer wieder aufs Podium sprang, angriffslustig ins Publikum blickte und dadurch die Jubelrufe wellenartig steigerte. Und eine Staatskapelle, die ihrerseits glücklich schien mit der gezeigten Leistung. Durfte sie auch: das lange erwartete Konzert erfüllte die Erwartungen, die die letzten Monate geschürt worden waren. Anderthalb Stunden lang hatte vorher andächtige Stille im Publikum geherrscht, während der Dirigent Bruckners Achte Symphonie erstehen ließ; jenes Werk, mit dem er vor knapp drei Jahren als Einspringer Orchester wie Publikum entflammte.

Damals wie heute die Faszination, wie hermetisch Thielemann die Sinfonie präsentiert. Die in der Partitur vorgesehenen Atempausen nutzt er kaum zum Luftholen. "Mit größtem Ausdruck", lautet etwa eine Spielanweisung, und: "mit gesangvollem Vortrage". Den bewahrten sich die Musiker das ganze, an dynamischen Gipfelpunkten ja nicht eben arme Riesenwerk lang; nie überreizten sie das Klangbild ins Schroffe.

Es sei daneben auf einen Konzertmitschnitt in der "Digitalen Konzerthalle" der Berliner Philharmoniker verwiesen. Kurz vor seiner Dresdner Brautschau hatte sich Thielemann mit ihnen eingelassen: für "Bruckner Acht"! Und auch über die "magische Konzentration", die die Bruckner-Aufführung der Münchner Philharmoniker unter seiner Leitung hervorrief, ist geschrieben worden.

Wer freudentränenblind über die Einzigartigkeit der musikalischen Traum-Ehe Thielemann-Dresden jubelt, unterschätzt diesen Dirigenten.

Eine Textfassung des Artikels ist am 29. Mai in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

30.05.2012Rezensionen