Mein Jahr auf dem Sofa

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Mein Jahr auf dem Sofa

„Wir müssen reden!“ Sag ich doch auch. Von Monat zu Monat, und zwar seit nun schon gut einem Jahr, rede ich in der Regel am Donnerstag Abend mit dem Roten Sofa. Das heißt, mit den Leuten darauf. Das Rote Sofa an und für sich ist nichts weiter als ein Stück Möbel, eine simple Sitzgelegenheit für zwei. Dieses hier, dem Veranstalter freundlicherweise aus der Requisite der Semperoper zur Verfügung gestellt, hat sogar eine Stimme und begrüßt seine Gäste – jedes Sofa kann das natürlich nicht. Die Sängerin Conny Kanik hat auf äußerst sympathische Art einige Trailer eingesprochen und so das Gerüst für Dresdens Kulturgespräch konstruiert. Als Moderator muss ich mich nur daran halten und kann dann ganz einfach, die passenden Gesprächspartner vorausgesetzt, auf diesem roten Faden entlang balancieren. Außerdem darf ich auf musikalische Gäste vertrauen, die jeder Begegnung die klingende Würze geben.

Angefangen hat das alles mit einer Idee. Alexander Fuchs, seines Zeichens selbst praktizierender Musiker, muss sich gedacht haben, Dresden braucht noch ein I-Tüpfelchen in seinem breitgefächerten Kulturangebot. Ein besonderes Kulturgespräch etwa. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zwei Nordlichter gaben das Startsignal: Friedrich-Wilhelm Junge und Wolfgang Schaller, der Theaterkahn-Mime und der Staatsoperetten-Intendant, beide aus Schwerin an die Elbe gespült, setzten den Maßstab. Von da an war alles nur eine Frage der Kontinuität. Zwar hält sich beständig ein gewisser Männerüberschuss – Yadegar Asisi, Christian Friedel, Ludwig Güttler, Sebastian Krumbiegel, Sebastian Lohse, Hajo Müller, Tom Quaas, Felix Räuber, Jäcki Reznicek, Peter Schreier, Wilfried Schulz, Günter „Baby“ Sommer, Dirk Syndram, Mario Thiel, Dieter Wedel, Dirk Zöllner besetzten das Sofa –, doch sind mir die weiblichen Gäste nicht weniger lieb. Mit Esther Kaiser, Birgit Schaller, Nora Schmid, Ute Selbig und Katrin Weber waren wunderbare Gesprächspartnerinnen zu Gast. Und auch die musikalischen Mitstreiter – genannt seien nur das Duo Dirks & Wirtz, zum wiederholten Male Michael Fuchs und Conny Kanik, aber auch Mirko Glaser, Demian Kappenstein sowie Philipp Makolies von der Gruppe Polarkreis – gaben noch stets eine klangvolle Bereicherung der eineinhalb- bis zweistündigen Abende ab. In aller Regel machte das Rote Sofa im Jazzclub Tonne Station. Als Rotes Sofa Unterwegs steuerte es bereits mehrfach das idyllische Landhaus Heidehof Dippoldiswalde, aber auch den Sommergarten des Café Saite im Dresdner Hechtviertel sowie die Messe Dresden an.

Die nächste Folge, dann schon das Rote Sofa Nr. 13, wird erneut einen Ortswechsel des gesprächigen Möbels vornehmen. Wasser hat bekanntlich keine Balken – und dennoch wird am 24. Mai auf Theaterboden – Brettern also, die vielen Menschen die Welt bedeuten – debattiert. Meine Gäste auf dem Theaterkahn am Terrassenufer sind der designierte Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, Christian Thielemann, sowie der als Countertenor weltbekannte Axel Köhler, der heute als Musiktheater-Regisseur sowie als Intendant der Oper Halle tätig ist. Musikalisch werden Femke Soetenga und Michael Fuchs die spannende Runde begleiten, mit der sich gewissermaßen ein Kreis schließen wird.

An dieser Stelle also mal eine ganz persönliche Empfehlung zum Roten Sofa am Donnerstag ab 20 Uhr auf dem Theaterkahn – Motto: „Wir müssen reden!“

Und für alle anderen Leserinnen und Leser: Bis nächsten Freitag –

Michael Ernst

18.05.2012Kolumnen