Schräger Abgang

Rezensionen

Schräger Abgang

Ob Blond oder Brünett, dünn oder dick, hübsch oder hässlich – für Don Giovanni zählt nur, dass die Frau einen Rock trägt. Und wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, gibt es kein Halten mehr für ihn. Er nimmt sogar den Tod von Donna Annas Vater in Kauf, nur um seine Geliebte zu erobern. Und auch der Umstand, dass sein neustes Entdeckung Zerlina bald in den Stand der Ehe treten, stört ihn nicht. Und obwohl diese dem Cavaliere verfallen ist, lässt sie sich von der ehemaligen und vor allem verlassenen Flamme Don Giovannis Donna Elvira überzeugen, dem Lüstling nicht zu folgen. Neben Donna Elvira stehen der eifersüchtige Ehemann Zerlinas Marsetto und der auf Rache schwörende Don Ottavio, der mit Donna Anna verlobt ist, um Don Giovannis Treiben ein Ende zu bereiten. Einzig sein Diener Leporello steht ihm treu zu Seite und hält sogar seine Liebschaften schriftlich fest.

Foto: Matthias Creutziger

Die Wiederaufnahme der Mozart Oper »Don Giovanni« war ein voller Erfolg. Die ausverkaufte SemperOper ließ sich von Markus Butter, der in der Titelrolle debütierte, verführen. Er sang und mimte den »Don Juan« mit viel Witz, Charme und Esprit und man verstand sofort, warum dieser Mann so viele Frauen in seinen Bann ziehen konnte. Ebenfalls neu in ihrer Rolle war die gebürtige Chilenin Carolina Ullrich (Zerlina). Diese erhielt im letzten Jahr den Christel-Goltz-Preis, den zwei Jahre zuvor schon Markus Butter und 1993 Ute Selbig entgegennahmen. Letztere strahlte in ihrem scharlachroten Kleid und überzeugte in der Rolle der verflossenen Donna Elvira, die im Laufe des Stückes Don Giovanni doch wieder zu Füßen liegt.

Neben der sängerischen Leistung ist besonders die schauspielerische Interaktion hervorzuheben, die dem Stück noch eine ganze Prise mehr Humor gab. Vor allem das Finale konnte beeindrucken. Der aus dem Höllen-Off singende Michael Eder (Il Commendatore) ließ die Erde buchstäblich aufbrechen. Und auf einer immer schräger werdenden Bühne kämpft Don Giovanni um sein Leben. Das unter der Leitung von Mihkel Kütson stehende Orchester brachte die dramatische Stimmung des Todeskampfes Don Giovannis zum Höhepunkt. Letztendlich bereut er nicht seine Taten und rutscht auf direktem Wege in die Hölle.

Am Ende bekommt jeder das, was er verdient: Don Ottavio muss noch ein Jahr länger auf die Hochzeit mit Donna Anna warten, Zerlina und Masetto gehen gemeinsam heim und Donna Elvira beschließt, ins Kloster zu gehen. Leporello macht sich ins nächste Wirtshaus auf, um wieder einen neuen Herrn zu finden. Dieser, gesungen und liebevoll, komödiantisch gespielt von Bariton José Fardilha, avancierte über den Abend hinweg zum Publikumsliebling.

Nächste Aufführungen der Williy-Decker-Inszenierung aus dem Jahr 1993: 10., 19., 28. Mai (Achtung, alle Vorstellungen fast ausverkauft)

10.05.2012Rezensionen