Sachsen in Salzburg

Kolumnen

Sachsen in Salzburg

Des Meisters Empfängnis: Die Geschichte begann vor genau neun Monaten. Da verkündete Sir Simon Rattle namens der von ihm geleiteten Berliner Philharmoniker, dass deren gemeinsames Mitwirken zu den Osterfestspielen Salzburg im Frühjahr 2012 ein Ende haben werde. Just mit diesem Orchester war das kleine, aber sehr feine Festival 1967 durch Herbert von Karajan gegründet worden. Es wuchs zu einem höchst respektablen Pendant der seit 1920 bestehenden Salzburger Festspiele heran. Nun schien die Zeit der Berliner für Baden-Baden gekommen, wo sie fortan gewinnträchtig aufspielen wollen.

 

Damit wackelte der Stuhl des Geschäftsführenden Intendanten Peter Alward, dem eine gedeihliche Entwicklung der Osterfestspiele schon per Arbeitsvertrag sehr am Herzen liegen dürfte. Wie glücklich war er im vorigen Juni, mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und deren designierten Chefdirigenten Christian Thielemann als künftigem Künstlerischen Leiter des Festivals die Retter des eigenen Stuhls wie aus dem Nichts hervorgezaubert zu haben. Dabei debütierte die Kapelle bereits 1923 unter Fritz Busch in Salzburg, also 90 Jahre vor der nun anstehenden freundlichen Übernahme des Festivals durch die Dresdner. Beide Städte verbindet übrigens seit zwanzig Jahren eine Partnerschaft, die künftig noch viel mehr mit Leben und Inhalt erfüllt werden sollte.

 

Nach der Verkündigung: Genau neun Monate nach der Bekanntgabe des Nachfolge-Orchesters waren die Dresdner dieser Tage nun als kleine Abordnung erneut in Salzburg präsent. Diesmal ging es um künftige Inhalte. Und für Christian Thielemann auch um Erinnerungen: Wie war das damals mit Herbert von Karajan, als Thielemann noch assistierend zugange war? Eine Schule fürs Leben sei das gewesen, erinnert er sich.
Bevor nun zu Ostern 2012 der Salzburger Schlussakkord für die Berliner erklingt, haben die Dresdner schon mal ihr erstes Osterfestspiel-Programm für 2013 vorgestellt. Das von Richard Wagner als „Wunderharfe“ apostrophierte Orchester wird dessen „Parsifal“ aufführen. Eine Neuinszenierung von Michael Schulz mit Ausstatter Alexander Polzin aus Anlass des 200. Wagner-Geburtstages. Die musikalische Leitung hat selbstverständlich Thielemann persönlich inne, der schon mal die erstklassige Besetzung präsentierte: Johan Botha als Parsifal, Michaela Schuster als Kundry und Wolfgang Koch in einer Doppelrolle als Amfortas und Klingsor. Der Bariton soll sich ausdrücklich gewünscht haben, beiden Leidenspartien einmal in einer Produktion zu übernehmen.

 

Im Karfreitags-Konzert gibt es mit Christiane Karg und Michael Volle das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms. Als Uraufführung erklingt ein gemeinsamer Auftrag von Osterfestspielen und Staatskapelle, die an den Dresdner Capell-Compositeur der nächsten Spielzeit ging. Hans Werner Henze schrieb „Isoldes Tod“, ein weiteres Gedenken an 200 Jahre Richard Wagner.

 

Das Jahr 1813 brachte aber nicht nur Wagner, sondern auch Giuseppe Verdi hervor. Im „Konzert für Salzburg“ dirigieren Thielemann und Myung-Whun Chung, der designierte Erste Gastdirigent der Kapelle, im Festspielhaus Ouvertüren und Vorspiele beider Jubilare. Neue Programmpunkte sind auch die „Nacht der Dresdner Kammermusik“ sowie erstmals zu Ostern ein Kinderkonzert der „Kapelle für Kids“. In einem Kammerkonzert mit Werken von Brahms, Henze und Schumann wird Myung-Whun Chung auch am Flügel zu erleben sein, die Soloparts im 4. und 5. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven übernehmen Evgeny Kissin und Yefim Bronfman.

 

Zu schade, dass auf all diese Überraschungen zu Ostern noch mehr als ein ganzes Jahr gewartet werden muss. Und dass der „Parsifal“ erst 2015 nach Dresden kommt.

 

Also erst einmal bis nächsten Freitag –
 

Michael Ernst

www.osterfestspiele-salzburg.at

31.03.2012Kolumnen