Frisch und knackig

Rezensionen

Frisch und knackig

Letztes Jahr ist sie dreißig geworden und gerade von einer großen Südamerika-Tournee zurück. Am Samstag machte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen nun in Dresden Station. Die Musiker brachten zu den Frauenkirchen-Festtagen ein geistreich ausgesuchtes Gastgeschenk mit. Robert Schumanns „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ op. 52 wurde zwar ursprünglich im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. Die zweite Fassung jedoch eröffnete 1845 das denkwürdige Konzert im vornehmen Dresdner „Hotel de Saxe“, bei dem Clara Schumann das Klavierkonzert ihres Mannes zur Uraufführung brachte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte diese freundliche, dreisätzige Sinfonietta zu den meistgespielten Werken des Komponisten. Heute findet man sie kaum noch auf dem Programmzettel. Zu unrecht, wie die Kammerphilharmonie bewies: frisch und knackig musiziert, stehen die drei eigenständigen Sätze den ausgewachsenen Sinfonien an musikalischem Entfaltungsreichtum kaum nach und dürften sich gerade in Dresden gern wieder öfter beweisen.

Foto: PR

Kraftvoll bis an die Materialgrenzen ihrer Stradivari ging die in Köln ausgebildete Japanerin Sayaka Shoji dann das Brahms-Konzert an. Stringent gearbeitet klang das, interpretatorisch aus einem Guss. Und doch war es das Orchester, das den nachdrücklicheren Eindruck hinterließ, ob in den fahlen Landschaften des Kopfsatzes oder dem gnadenlos durchrittenen dritten. Dirigent Paavo Järvi bewies hier wie in der folgenden Vierten Sinfonie Schumanns, dass die Kirche auch in hohem Tempo akustisch zu bändigen ist. Sein Rezept: Flexibilität! Wuchtigen Akkordschlägen gab er ausreichend Zeit, den Raum bis in den letzten Winkel zu füllen. Und die Artikulation bürstete er streng auf Durchhörbarkeit, so dass auch lebhaftere Passagen nie ins Mulmige trieben. Folglich stehende Ovationen im Schiff, Getrampel, Bravi; mit Beethovens „Prometheus“-Ouvertüre bedankten sich die Musiker dann ihrerseits beim Publikum.

Eine Textfassung des Artikels ist am 26. September in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

26.09.2011Rezensionen