Drangvolles Blühen – eine Korrespondenz aus Leipzigs Westen

Rezensionen

Drangvolles Blühen – eine Korrespondenz aus Leipzigs Westen

Gleich 500.000 Jahre fängt Stefan Petraschewsky in seinem Bühnendebüt ein, das der Theaterredakteur von MDR Figaro kürzlich mit Albert Lortzings „Waffenschmied“ an der zur Oper Leipzig gehörenden Musikalischen Komödie abgeliefert hat. Von der Entdeckung des Feuers durch Urzeitmenschen, die während der Ouvertüre mit Feuersteinen hantieren, bis zur Waffenschmiede von Worms vergehen nur ein paar Augenblicke. Das hauseigene Orchester spielt währenddessen unter Stefan Diederich enorm inspiriert auf und reißt das Publikum mit in den Strudel aus Biedermeier, Komik und tiefer Emotion.

Foto: Andreas Birkigt

Und rasch wird hinterm durchsichtigen Vorhang umgebaut, damit das Stück in Stadingers Schmiede starten kann. Es beginnt bekanntlich mit dem Aufbruch zum Feierabend, wobei die Betonung auf dem Aufbruch liegt. Die Regie Petraschewskys hat da in kongenialer Funktion mit dem Bühnenbildner Paul Zoller etwas Wandelbares geschaffen, das wunderbar funktioniert. Von der Werkbank geht es ins Wohnzimmer und wieder zurück, kraftvolle Farben kennzeichnen das Ambiente und die Kostüme von Annette Braun – ein drangvolles Blühen, das die urmenschliche Gefühlswelt wohl ebenso wie den revolutionären Vormärz bebildert.

Die dem Stück immanente Sehnsucht nach Liebe, Glück und selbstbestimmter Erfüllung stellt die Regie mit scheinbar leichter Hand in den Vordergrund. Vermeintliche Standesschranken werden eingerissen, dümmliches Rittertum wird als das gezeigt, was es ist. Unaufdringlicher Witz kommt dem Publikum entgegen, die durchweg flotte Inszenierung hält es in Spannung. 

Für dieses gelungene Entree als Macher hat der kritisch erfahrene Theatergänger auf das Glück einer gelungenen musikalischen Umsetzung bauen dürfen. Orchester und Diederichs Stabführung, wie erwähnt, boten einen schönen, meist schlanken Klang (nur die Lautstärke sollte mitunter den Gegebenheiten des Hauses besser angepasst werden). Vor allem aber wurde mit Jennifer Porto und Carolin Masur ein reibungsvolles Duo von aufblühender Jungfrau und verständiger Aufpasserin gefunden, das sowohl optisch als auch stimmlich durchweg hinreißend ist. Einspringer Steffen Rössler findet sich passabel grantig in seine Rolle als Hans Stadinger und fügt sich denen, deren Zeit gekommen ist. Mit Milko Milev als Ritter Adelhof aus Schwaben wurde eine herrlich überzeichnete Persiflage geschaffen, bei der es ebensowenig auszusetzen gab wie bei den weiteren Mitstreitern oder dem gut präparierten, spielfreudigen Chor.

www.oper-leipzig.de

Termine: 7., 15., 17., 24. Juni

02.06.2011Rezensionen