„Der Glaube versetzt Berge“ – Geigenbauer Peter Erben im Gespräch

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„Der Glaube versetzt Berge“ – Geigenbauer Peter Erben im Gespräch

Herr Erben, sehr hochpreisige Instrumente werden heute oft als Kapitalanlage erworben; einige Investoren und Händler wurden allerdings von der Finanzkrise erwischt. Wie sieht es bei mittelpreisigen Sammler-Instrumenten, gar bei Neubauten aus? Bemerken Sie einen Rückgang der Nachfrage?

Die die Finanzkrise ist ja augenscheinlich überwunden. Aber auch im Jahr 2010 wurden Instrumente im hochwertigen Preissegment von Investoren (Banken und Versicherungen) oder Sammlern gehandelt. Mag sein, dass die Preise jetzt wieder stärker anziehen. Hauptsächlich Musiker bedienen das mittlere Preissegment, auf das Sie ansprechen. Diese kaufen also meist keine Instrumente aus Spekulationsgründen, sondern um diese tatsächlich zu bespielen – entweder persönlich oder von Familienmitgliedern.

Foto: Jan Röhrmann

 

Dabei hat sich der Markt von neugebauten Instrumenten auch in Zeiten der Wirtschaftskrise aus meiner Sicht gut gehalten. Die Anzahl der Musiker steigt stetig, das Angebot alter Instrumente ist naturgemäß begrenzt und nicht für jeden bezahlbar. Somit gewinnen auch neuere Instrumente an Wert – ein Paradox: wo wird eine Ware nach vieljähriger Nutzung schon mehr wert – diese Erscheinung gibt es fast nur bei Streichinstrumenten.

Aus Ihrer langjährigen Erfahrung als Geigenbauer: hat sich das generelle Kaufverhalten der Musiker insgesamt geändert? Kaufen Sie früher, später, teurer, öfter, eher alte Italiener als Neubauten, worauf wird beim Kauf Wert gelegt?

Was sich nie ändern wird: der Anspruch des Musikers ein für ihn passendes Instrument zu besitzen, dass ihm Vertrauen gibt sich in der Musik nach seinen Vorstellungen auszudrücken. Wenn er mit seinem bisherigen Instrumente an seine Grenzen stößt, wird er sich nach einem besseren auf die Suche begeben. Kriterien dafür sind meines Erachtens: das finanzielle Budget, die Klangfarbe, technische Bespielbarkeit und zu guter Letzt auch das Prestige. Eine Geige, Bratsche oder ein Cello von einem renommierten Geigenbauer zu spielen kann eine größere Spielfreude und einen gesteigerten Hörgenuss auslösen.

Kurzum: das Selbstvertrauen wächst und somit die Qualität des Spielens. Ob es nun ein „mittelalter“ Italiener oder ein nagelneues Instrument aus einer Meisterwerkstatt ist hat mit persönlichen Kriterien zu tun, siehe oben. Die Nachfrage nach Neubauinstrumenten wächst in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich, was einer verbesserten Qualität und Vermarktung geschuldet ist. Auch diese Instrumente werden im Laufe der kommenden Jahre immer teurer gehandelt, da bin ich mir sicher.

Welchen Anteil am Kauf hat der Mythos des Instruments? Ich las auf Ihrer Webseite, dass Sie inzwischen nur noch Holz verwenden, das Sie selbst um Weihnachten herum bei abnehmendem Mond geschlagen haben…

Sagen wir mal so: es gibt vielleicht fünfhundert Komponenten, die für den Klang eines Instrumentes verantwortlich sind, und die man bei der Auswahl des Holzes, später beim Bau beachten muss. Wenn man erstklassige Instrumente anbieten will, darf man keine Möglichkeit auslassen. 1989 habe ich Holz, das bei abnehmenden Mond geschlagen wurde, das erste Mal benutzt. Eindeutig konnte ich einen Fortschritt in der Qualität meiner Instrumente feststellen und würde das nie mehr anders machen. Aber es ist wohl mit dem Geigenbau wie überall im Leben: der Glaube versetzt Berge. Ich kann ja nicht nachprüfen, wie die Geige geklungen hätte, wenn ich das Holz nicht bei Neumond geschlagen hätte. Könnte ja auch sein, dass es einfach nur ein wunderbarer Baum war…

 

Peter Erbens Werkstatt im Internet: www.erben-geigenbau.de

Programmheft des "Bratschissimo"-Konzerts zum Herunterladen.

18.03.2011Interviews