Kuscheltiere, Märchen und was zum Naschen – Die Weihnachtskonzerte der Dresdner Philharmonie

Allgemein

Kuscheltiere, Märchen und was zum Naschen – Die Weihnachtskonzerte der Dresdner Philharmonie

Weihnachtszeit ist Märchenzeit: draußen fällt der Schnee, drinnen im Warmen gibts allerlei Leckereien vor der Bescherung… Musikalische Märchen, Geschenke und Süßigkeiten werden auch im Weihnachtskonzert der Dresdner Philharmonie mit Werken von Debussy, Ravel, Mussorgski, Ljadow und natürlich Tschaikowski gereicht, dessen „Nussknacker“ einfach dazugehört. Dirigent ist Roland Kluttig, Sängerin ist die Mezzosopranistin Ulrike Helzel.

Roland Kluttig dirigiert das Weihnachtskonzert der Philharmonie (Foto: PR)

Die sechs pianistischen Kleinode der „Children’s Corner“ (Kinderecke) schrieb Claude Debussy 1906 für seine damals vierjährige Tochter. Es darf zwar bezweifelt werden, dass diese alle Anspielungen –  die Ironie des „Doctor Gradus ad Parnassum“ oder den witzelnden Umgang mit Richard Wagners Tristan-Akkord im grotesken „Golliwogg’s Cakewalk“ – verstanden hat. Aber die exotische Harmonik, die pentatonische Melodik und die mitreißenden Rhythmen der sechs Charakterstücke, vor allem des „Golliwogg’s Cakewalk“, des wohl spektakulärstes Stückes der Sammlung – eines der ersten Beispiele für den Einfluss des Jazz auf die europäische Kunstmusik –  haben sie ganz sicher aufhorchen lassen. Die 1908 erstmals veröffentlichten Stücke wurden 1910 mit Einverständnis Debussys von dem französischen Komponisten und Dirigenten André Caplet, einem Schüler Debussys, orchestriert.
 
Drei Liederzyklen schrieb Modest Mussorgski, die ihn zum vielleicht größten Liederkomponisten Russlands machten, darunter auch die „Kinderstube“, entstanden in den Jahren 1868 bis 1872. Die Texte hatte der Komponist selbst verfasst: In freien, prosanahen Versen fand er treffende, lautmalende Worte für kindliche Befindlichkeiten: etwa den Wunsch nach blutrünstigen Geschichten, die Angst vor der Amme oder einem schreckenerregenden Käfer, das selbstvergessene Spiel mit der Puppe, den lustvollen Ritt auf dem Steckenpferd oder die gelungene Rettung eines Finken vor dem Zugriff der bösen Katze. Bei der Vertonung ging Mussorgski von der kindlichen Wortbetonung aus. Die Stimmführung entwickelt sich aus dem Sprechtonfall und seiner Höhe. Die Form wird bestimmt von der sensibel nachempfundenen, kindlich sprunghaften Gemütsbewegung des Augenblicks – eine Herausforderung für die Solistin! Der russische Komponist Edison Denissow hat die Lieder im Jahre 1984 orchestriert.
 
Anatoli Ljadow gehörte zur jüngeren Generation der russischen Nationalkomponisten und wurde 1855 in St. Petersburg in eine Musikerfamilie hineingeboren. Er arbeitete als Dozent, Dirigent, Musikverlagslektor, Zeichner und ab 1906 bis zu seinem Tode 1914 als Kompositionsprofessor am St. Petersburger Konservatorium. Seine Tondichtung „Der verzauberte See“, entstanden 1909, schildert einen geheimnisvollen, tiefdunklen See, in dem sich nächtliche Sterne spiegeln. Deutlich ist das Stück vom französischen Impressionismus beeinflusst: Die Harmonik ist verschleiert, es dominieren Klang und Farbe, es fehlen klar konturierte Themen oder Motive – ein Werk von irisierender Klangschönheit.
 
Maurice Ravels Schaffen prägt das für Frankreich typische Interesse an der Klangfarbe und ihrer formbildenden Funktion. Auch in „Ma mère l’oye“ (Meine Mutter Gans) entpuppt er sich als Klangfarben-Magier in der orchestrierten Fassung. Ihm gelang damit ein wahres Meisterstück der Instrumentation: Gegenüber der Klavierfassung weitet sich der Klangraum auf fast schon geheimnisvolle Weise aus: durch rauschende Harfenkaskaden, zwitschernde Flötentöne, brummende Fagotte, melancholische Klarinetten oder sehnsuchtsvolle Streicherkantilenen. Dank exotisch-glitzernder Instrumentenmischungen erwächst aus den recht einfach gesetzten Klavierstücken eine plastische Klanglandschaft.
 
Die Tänze aus Peter Tschaikowskis Ballett „Der Nussknacker“ gehören zum Populärsten, was die europäische Kunstmusik zu bieten hat. Als Vorlage diente Tschaikowski die Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ von E.T. A. Hoffmann. Das Ballett erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das am Weihnachtsabend einen Nussknacker geschenkt bekommt. Nachts träumt es von einer Schlacht zwischen dem Spielzeugsoldaten-Heer des Nussknackers und der Armee des Mäusekönigs. Das Mädchen verhilft dem Nussknacker zum Sieg, der sich daraufhin in einen Prinzen verwandelt und das Mädchen in das verlockende, süße Zauberreich der Zuckerfee mitnimmt, die auf Schloss Zuckerburg residiert und dort zu Ehren ihrer Gäste ein großes Fest veranstaltet. Dort erklingen auch die „Danses caractéristiques“, für die der geniale Komponist eine irreale, verzaubernde Klanglichkeit fand. Delikat, zart, zierlich, zuweilen fast schwebend kommen sie alle daher: Der quirlige Marsch genauso wie der geheimnisvolle Tanz der Zuckerfee, der fetzige russische Trepak, der exotisch angehauchte arabische und chinesische Tanz genauso wie der kecke Reigen der Rohrflöten.

Karten in der Ticketcentrale im Kulturpalast am Altmarkt, Mo bis Fr, 10 – 19 Uhr, Sa 10 – 18 Uhr,
Tel. 0351 / 4 866 866, Fax 0351 / 4 866 353

18.12.2009Allgemein