Alle fünf Preise des Competizione dell´ Opera gehen an Sopranistinnen

Rezensionen

Alle fünf Preise des Competizione dell´ Opera gehen an Sopranistinnen

Die gesanglichen Qualitäten der Bewerber seien in diesem Jahr so enorm gewesen, dass man sich entschieden habe, zwölf statt bisher zehn Kandidatinnen und Kandidaten für das Finale auszuwählen – so die Organisatoren. Man muss wohl davon ausgehen, dass die Auswahlkommission die am Sonntag in der Semperoper präsentierten Sängerinnen und Sänger mit verschiedenen Facetten ihres Könnens im italienischen Repertoire erlebt hat, denn das Finalkonzert allein macht diese Entscheidung nicht ganz nachvollziehbar.

Nicht nachvollziehbar auch der Umstand, dass in einem italienischen Gesangswettbewerb Mozart und Rossini nur marginale Rollen spielen, italienische Meister wie Hasse, Händel oder Monteverdi gar nicht mehr im Finalkonzert vorkommen. War es also wirklich angemessen, und eine ausgereifte Entscheidung, 12 Finalisten mit der Auswahl ihrer Stücke, begleitet von den Bremer Philharmonikern unter der Leitung von Markus Poschner in den Wettbewerb zu schicken.

So war es nämlich keine ganz große Überraschung, dass die 30 Jahre alte Sopranistin Mária Porubcinová aus der Slowakei den ersten Preis erhielt, dotiert mit 10.000 Euro des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, um 3000 Euro erhöht durch die Zuerkennung des Publikumspreises, gestiftet von der Walter und Charlotte Hamel-Stiftung. Im Gegensatz zu ihren Konkurrentinnen aus Russland, Südkorea und Chile, alle Sopranistinnen, hatte sie schon etliches an sängerischer Erfahrung, stimmlicher Präsenz und Dimension einzubringen. Ihre Interpretation einer Szene und Arie der Amelia aus Verdis „Un ballo in maschera“ ließ Talent und Können erkennen, dazu einen ausgesprochen warmen Klang mit sicheren und leuchtenden Höhen. 

Der zweite Preis ging an Paulina Gonzalez Melgarejo aus Chile, die mit der Startnummer sieben endlich einen individuellen Klang in das bisher ziemlich ordentlich und gleichförmig verlaufene Programm brachte. Dass sie für ihre Interpretation der Arie „Io son l ´ umile ancella“ aus Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ den zweiten Preis, 6000 Euro vom Staatsministerium, erhielt ist eine Entscheidung auf Hoffnung im Hinblick auf die Entwicklungschancen ihrer stimmlichen Dimensionen. Der dritte Preis, 4000 Euro vom Freistaat, ging an Yun Jeong Lee aus Südkorea für eine makellose, weniger individuelle Darbietung der tänzelnden Koloraturarie der Titelheldin aus Donizettis „Linda di Chamounix“. Den Sonderpreis, in Höhe von 3000 Euro der Oscar und Vera Ritter-Stiftung erhielt Evgenya Sotnikova aus St. Petersburg. Ebenfalls Donizetti, aus „Anna Bolena“ sang sie „Piangete voi“. Der Eindruck ist nicht viel anders als der bei ihrer Vorgängerin.

Die Preise sind vergeben, die Fragen bleiben. Hatte der Moskauer Bariton Boris Dyakov mit seinem zugegebenermaßen noch nicht gänzlich gefestigtem, dafür aber hervorstechend individuellem Stimmklang, der es verstand mit 27 Jahren die Arie des Giorgio Germont „Di provenza il mar“ aus Verdis „La Traviata“ ziemlich glaubwürdig und vor allem berührend zu interpretieren, wirklich keine Chance?

Im nächsten Jahr soll der ganze Wettbewerb, letzte Runden des Vorentscheids, Semifinale und Finale, wieder in Dresden stattfinden, so die Moderatorin Bettina Volksdorf vom MDR. Nur so macht es ja auch wirklich Sinn, von einem Dresdner Kulturereignis zu sprechen, wie es Oberbürgermeisterin Helma Orosz tat, die wenige aber passende Worte des Dankes und Anerkennung fand, an eine Preisträgerin wie Anja Harteros und deren Weltkariere, von der das Dresdner Opernpublikum profitierte, erinnerte und an diesem Ort als Vertreterin der Öffentlichkeit mit der Art ihres angemessenen Auftritts einen Maßstab für künftige Kolleginnen oder Kollegen setzte. 

Hans Joachim Frey, der „Vater“ des internationalen Gesangswettbewerbs der italienischen Oper, begründet das Fehlen deutscher Kandidatinnen und Kandidaten mit dem Mangel an musischer Erziehung, die da ihre besten Früchte trage, wo nach seiner Kenntnis zu Hause gesungen werde, in Südamerika, in Russland und in Südkorea. Staatssekretär Knut Nevermann vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst nimmt diese Erkenntnis auf, und verweist auf ein freistaatliches Förderprogramm, wonach jedem Kind ein Instrument zustehe samt entsprechender Förderung, und – so möchte man in Zeiten knapper Kassen hinzufügen – je mehr eigene Instrumente, also Singstimmen es sein können, desto besser lässt sich die ganze schöne Zukunftsmusik bezahlen.

MDR-Figaro überträgt den Mitschnitt des Finalkonzertes, am 3. Oktober, um 20 Uhr

Eine Textfassung des Artikels ist am 7.9. in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

09.09.2009Rezensionen