Ringparabel mit Musik – »Nathan« zu dritt im Projekttheater

Rezensionen

Ringparabel mit Musik – »Nathan« zu dritt im Projekttheater

Es klingt ganz einsichtig, wenn der Nathan-Darsteller sich die Gitarre umhängt und dem Sultan Saladin und seiner Schwester Sittha swingend die zentrale Botschaft des Stückes, die Ringparabel vermittelt, worauf beide Partner schließlich mit Zupfbass und Schlagzeug einstimmen…

Diese

etwas ungewöhnliche Lesart kann man im Projekttheater hören und besehen: Das Panische NotTheater spielt Lessings Dramatisches Gedicht in einer Fassung für drei Schauspieler Utz Pannike, Christina Kraft und Thomas Kressmann in 1 Stunde und 20 Minuten. Mit kleinen Verwandlungen werden alle neun Rollen besetzt. Wichtige inhaltliche Akzente werden gesetzt: Daja z. B. wird abwechselnd von allen drei Schauspielern gegeben.

Vorher fragt man sich: geht das überhaupt? Und hinterher reibt man sich die Augen (und eigentlich auch die Ohren), was da an konzentriertem Spiel, an ebenso konzentriertem Text alles herüberkommt. Ich glaubte meinen Lessing zu kennen, aber in dieser Fassung nahm ich deutlicher als sonst die scharfe Dialektik, die wohl gesetzten Worte, Halbsätze und Sätze Lessings wahr. Lag es an der größeren Nähe der Schauspieler in dem kleinem Raum, lag es an der großen Präzision und Lebendigkeit des Spiels, an der Wandlungsfähigkeit der Schauspieler – trotz der Kürzungen fehlt nichts, das dem Drama die Spannung nahm. Regisseur Carsten Ludwig, ausgewiesen durch Inszenierungen, die aus dem gewöhnlichen Rahmen fallen, die ungewöhnliche Beziehungen zwischen scheinbar unvereinbaren Zuständen herstellen, hatte mit dieser Fassung auch eine „aufklärerische“ Absicht verwirklicht: Sein Nathan grummelt nicht Sentenzen von Toleranz und Weisheit in seinen Bart, sondern ist ein Suchender, Getriebener, der sich in einer schwierigen Umwelt und in ausufernden Situationen behaupten muss.

Immer wieder auch gibt es Ruhepunkte in temperamentvollen Spiel, die nicht mit beliebigen Geräuschen, sondern mit Live-Musik durch die Darsteller ausgefüllt werden. Da gibt es Lieder, kurze Gitarrensoli oder Instrumentalstücke zu dritt, alles im leichten Swing. Auch der Stil dieser Musikeinlagen dient dazu, dem Dramatischen Gedicht eine 200 Jahre alte Schwere zu nehmen – ein gelungener Theaterabend.

Nach der Sommerpause wird es weitere Aufführungen im Projekttheater geben.

Reiner Zimmermann

01.06.2009Rezensionen